Wall-Street-Kritiker

"Ich glaube, dass sich jeder hier ausgeraubt fühlt"

Die Proteste gegen die Macht der Banken weiten sich auf weitere US-Städte aus. Sie werden nun auch von den Gewerkschaften unterstützt – und mindestens einer Abgeordneten.

Tausende Demonstranten haben in New York gegen die Macht der Banken und die wachsende Ungleichheit in den USA protestiert. Begleitet von einem großen Polizeiaufgebot zog der Marsch am Mittwoch durch den Finanzdistrikt in Manhattan. Die Demonstranten trugen Plakate mit Aufschriften wie „Rettet unsere Republik“ und „Gleichheit, Demokratie, Revolution“.

Die zumeist jungen Protestteilnehmer skandierten „Wir sind 99 Prozent“ und spielten damit auf das reichste Prozent der US-Bevölkerung an, von dem sie sich hintergangen fühlen.

Die Protestbewegung hatte in den vergangenen Tagen immer mehr Zulauf erhalten, nachdem Mitte September erste Aktivisten im Zuccotti-Park unweit der Wall Street ein Protestcamp aufgeschlagen hatten. Mittlerweile hat die Bewegung die Rückendeckung von führenden Gewerkschaften, etwa dem Dachverband AFL-CIO, der Automobilgewerkschaft UAW und der Transportarbeitergewerkschaft TWU.

Protest weitet sich auf weitere große Städte aus

Auch in Los Angeles, Boston, Chicago und anderen Städten haben sich kleine Ableger der Wall-Street-Kritiker formiert.

Bereits Stunden vor der Demonstration versammelten sich am Mittwoch rund 2000 Menschen im New Yorker Zuccotti-Park. Am vergangenen Wochenende waren bei einem ähnlichen Protestmarsch auf der New Yorker Brooklyn Bridge mehr als 700 Menschen vorübergehend festgenommen worden. Die Brücke musste wegen der Kundgebung am Samstagnachmittag für mehrere Stunden gesperrt werden.

Die genauen Ziele der heterogenen Gruppe mit dem Motto „Occupy Wall Street“ („Besetzt die Wall Street“) sind unklar. Die Liste der Beschwerden reicht von teuren Studiengebühren über die hohe Arbeitslosigkeit bis zu sinkenden Renten. Zusammengehalten wird die Bewegung von der Wut darüber, dass vor allem die Mittelschicht und die ärmere Bevölkerung unter den Folgen der Finanzkrise zu leiden hätten.

Demokratische Abgeordnete ist "so stolz" auf Wall-Street-Kritiker

„Ich glaube, dass sich jeder hier ausgeraubt fühlt“, sagte die 29-jährige Lindsey Personette. „Sie haben es schwer, über die Runden zu kommen.“ Die 26-jährige Kelly Wells, die aus dem Bundesstaat Oregon an der Westküste für die Proteste nach New York gekommen ist, hofft auf weiteren Schwung durch die wachsende Unterstützung: „Mehr Teilnehmer, mehr Macht, mehr Öffentlichkeit.“

Die New Yorker Abgeordnete Louise Slaughter, die für die Demokraten im Repräsentantenhaus sitzt, äußerte ihre Sympathie für die Bewegung. Slaughter sagte, sie sei „so stolz“, dass die Wall-Street-Kritiker sich gegen die „ungezügelte Gier“ bei Banken und Konzernen erheben würden und „friedlich an unserer Demokratie teilnehmen“.