Kühles Fürstenpaar

Die flitterlosen Wochen von Albert und Charlene

Prinz Albert II. und seine Frau Charlene sollten eigentlich gerade die beste Zeit ihres Lebens verbringen. Nur wirkt es ganz anders. Und die Gerüchte blühen.

Foto: AFP

Vielleicht war es doch keine vorzeitige Ehekrise, sondern der Berufsverkehr. Dieser soll zwischen dem Küstenörtchen Umhlanga Rocks und der 20 Kilometer südlich gelegenen Stadt Durban morgens zwischen sechs und sieben Uhr so schlimm sein, dass Prinz Albert II. von Monaco es vergangene Woche vorzog, die Nacht nicht an der Seite seiner Braut , Fürstin Charlene, in der 2600 Euro teuren Suite des "Oyster Box“-Hotels in Umhlanga Rocks zu verbringen, sondern in einem weit weniger romantischen Einzelzimmer des "Hilton“ in Durban.

Der Prinz habe am nächsten Morgen früh um sieben Uhr an einer Sitzung des Olympischen Komitees teilnehmen müssen und wollte dem sagenumwobenen Berufsverkehr entgehen. So lautete die offizielle Begründung des Palastes, die Charlenes Vater, Mike Wittstock, gegenüber der südafrikanischen Presse bekräftigte.

Dies stellte allerdings nur wenige Beobachter zufrieden. Es warf die Frage auf, welche an seniler Bettflucht leidende Unterabteilung des IOC sich so früh zu Sitzungen zusammentrommelt. Die Weltpresse blieb skeptisch. "Seltsamer Honeymoon“, titelte der "Figaro“. "Komische Hochzeitsreise“, befand der "Parisien“. Und das südafrikanische Blatt "Die Burger“ fragte gar: "Is dit waar?“ Will sie ihren Prinzen schon verlassen?

Schon die Traumhochzeit im Fürstentum am ersten Juliwochenende hatte die Presse mit Argusaugen verfolgt, nachdem Gerüchte von ein bis drei Fluchtversuchen der Braut im Vorfeld der Trauung die Runde gemacht hatten. Grund für die vereitelten Absetzbewegungen sollen ein bis drei kurzfristig anberaumte Vaterschaftstests sein, zu denen der lebensfrohe Bräutigam angeblich antreten muss.

Fürst Albert hat bereits zwei uneheliche Kinder, die inzwischen 19 und sieben Jahre alt sind. Das oder die neuen "natürlichen Kinder“ sollen deutlich jünger sein, womöglich jünger als die Beziehung zu Charlene Wittstock, was wiederum deren – für eine frisch getraute Prinzessin – eher gebremste Euphorie nachfühlbarer machen würde.

Besonders in der britischen Presse werden derartige Gerüchte derzeit genüsslich ausgebreitet, die "Daily Mail“ etwa vermutet, das Ergebnis eines fürstlichen DNA-Tests könnte bereits vorliegen, werde jedoch während der Hochzeitsreise nicht veröffentlicht – um zu verhindern, dass die Braut aus Empörung gleich in Südafrika bliebe.

Französische Medien sind diesbezüglich aufgrund eines schärferen Presserechts diskreter und zitieren höchstens verstohlen die britischen Kollegen. Aber selbst "Aujourd’hui en France“ räumt ein, die Stimmung in Monaco sei bei einem Wohltätigkeitsdinner, das Prinzessin Stéphanie im Sporting Club gab, "gedrück" gewesen: "Man redete nur von dem, was in Durban geschehen war“, berichtete ein Teilnehmer.

Nicht einmal ein vernünftiger Kuss für die Fotografen

In Südafrika jedenfalls fiel auf, dass Fürstin Charlene deutlich glücklicher schien, als Bischof Tutu sie tätschelte, als in jenen Momenten, in denen ihr Gatte sich ihr näherte.

Zum Besuch bei Präsident Jacob Zuma sei das Paar zwar gemeinsam in einem Rolls-Royce gekommen, jedoch in verschiedenen Fahrzeugen wieder abgefahren, bemängelten zufällig anwesende Paartherapeuten, und von Berufs wegen notorisch unzufriedene Glamourjournalisten protokollierten entsetzt, das Brautpaar habe nicht einmal einen vernünftigen Kuss für die Fotografen hinbekommen.

Nach mehrmaliger Aufforderung habe sich Albert zwar bemüht, Charlene jedoch habe sich just in diesem Moment abgewendet, und so erwischte der Prinz nur ihre Wange.

Der französische Fernsehmoderator Stéphane Bern, der der Fürstenfamilie als "Medienberater“ dient und deshalb seit zwei Wochen vor allem damit beschäftigt ist, der Welt zu erzählen, bei den Brautleuten sei entgegen allem Anschein alles in Butter, bat um Verständnis:

"Fänden Sie das nicht auch ein bisschen ermüdend, wenn Fotografen sie denn ganzen Tag lang aufforderten, sich zu küssen?“, fragt Bern und beteuert: "Wenn die Fotografen nicht dabei sind, küssen sie sich mit Vergnügen. Aber momentan können sie machen, was sie wollen, alles wird überinterpretiert.“

Inzwischen sollen Albert und Charlene Südafrika verlassen und den "geheimen Teil ihrer Hochzeitsreise“ angetreten haben. Womöglich küssen sie sich da wieder öfter. Es heißt, sie seien in Kenia. Am 20. Juli werden sie in Monaco zurück erwartet – zur Eröffnung der Ausstellung "Glanz und Größe der europäischen Höfe“.

Die Welt wird dann gespannt beobachten, ob der Geheimurlaub den äußerlich messbaren Glückspegel des Paares gehoben hat. Eins der zentralen Exponate der Ausstellung im Grimaldi Forum ist übrigens das Brautkleid von Fürstin Charlene.