Energieversorger

Gazprom und RWE unterzeichnen Kooperationsvertrag

Der Energieriese RWE braucht frisches Kapital: Eine Partnerschaft mit Gazprom und der Verkauf des Höchstspannungsnetzes soll Geld in die Kasse spülen.

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Der deutsche Energieriese RWE und der russische Konzern Gazprom habe sich im Grundsatz auf eine Zusammenarbeit verständigt. Die beiden Konzerne unterzeichneten in Rom eine entsprechende Vereinbarung, wie RWE in Essen mitteilte. Die beiden Unternehmen wollen demnach in Deutschland und weiteren Ländern gemeinsam Kohle- und Gaskraftwerke bauen.

Über eine Zusammenarbeit der beiden Energieriesen war bereits in den vergangenen Tagen spekuliert worden. RWE benötigt nach dem Beschluss zum Atomausstieg frisches Geld, das nun Gazprom zuschießen könnte. Gazprom, bereits jetzt der wichtigste Gaslieferant Deutschlands, hat seit langem Interesse an einem stärkeren Engagement hierzulande.

Zuvor hatte das Kartellamt gewarnt. Ein Einstieg der russischen Gazprom beim Energiekonzern RWE würde umgehend die Aufsicht auf den Plan rufen. „Eine Verbindung zwischen Gazprom und RWE müsste man sich unter kartellrechtlichen Gesichtspunkten sehr genau ansehen“, sagte der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt.

Das Bundeswirtschaftsministerium hatte dazu erklärt, Gazprom stehe es frei, Gespräche über einen Einstieg bei deutschen Unternehmen zu führen. Dabei müssten „kartellrechtliche und außenwirtschaftliche Regeln eingehalten werden“, erläuterte eine Sprecherin von Minister Philipp Rösler. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, die Entscheidung über mögliche Kooperationspartner falle allein in den Verantwortungsbereich der beteiligten Unternehmen. Russland sei für die Bundesrepublik ebenso wie für die EU ein wichtiger Partner im Energiesektor.

Das Geld aus Moskau könnte für RWE genau zum richtigen Zeitpunkt kommen: Der Versorger sucht derzeit dringend Kapital, und Großmann hatte angekündigt, binnen drei Jahren Beteiligungen im Wert von bis zu acht Milliarden Euro zu verkaufen. Inzwischen erwägt er wegen der Belastungen durch den Atomausstieg eine Ausweitung dieses Programm und sogar eine Kapitalerhöhung. Deshalb kündigte RWE fast zeitgleich an, die Mehrheitsanteile an seiner Netzgesellschaft Amprion abzugeben. Ein Konsortium aus Finanzinvestoren und Versorgungswerken werde knapp 75 Prozent an der RWE-Tochter übernehmen, teilte der Konzern mit.

Der Verkaufspreis errechne sich auf Basis eines Unternehmenswertes von 1,3 Milliarden Euro. Da RWE an dem Käufer-Konsortium beteiligt ist, hält das Unternehmen neben dem Minderheitsanteil von 25,1 Prozent weiter einen indirekten Anteil von 10,8 Prozent. Dieser Anteil solle aber kurzfristig an weitere Investoren veräußert werden. Mit 11.000 Kilometer Länge ist das Netz von Amprion das längst in Deutschland. Die Transaktion muss noch von den zuständigen Gremien und dem Kartellamt genehmigt werden. Im dritten Quartal dieses Jahres rechnet RWE mit dem Abschluss des Verkaufs.

Auch die Kooperation mit dem russischen Energieriesen könnte sich für RWE auszahlen: Gazprom gehört zu den größten Gaslieferanten Deutschlands. Mit dem RWE-Konkurrenten E.on baut der Konzern derzeit die Ostsee-Pipeline , die Gas von Sibirien nach Deutschland bringen soll. Ein Beteiligung von Gazprom an RWE könnte auch die Nabucco-Gaspipeline in Frage stellen, die RWE und Partner wie die österreichische OMV mit EU-Unterstützung planen.

Auf Bedenken beim Kartellamt könnte die Tatsache stoßen, dass Gazprom in Deutschland bereits mit BASF die Gashandelstochter Wingas betreibt. Mit einem Zugriff auf RWE würden die Russen ihre Marktmacht hierzulande deutlich ausbauen. Anfang Juni hatte Gazprom-Chef Miller sein Interesse an einer Beteiligung an E.on Ruhrgas geäußert.

Zwar habe der Konzern bislang keine Beteiligung angeboten bekommen. Sollte dies aber geschehen, würde Gazprom das prüfen, sagte er. Wenige Wochen später erklärte er, sich in der deutschen Stromerzeugung engagieren zu wollen. „Wir sind bereit, in neue Stromproduktion zu investieren, wir sind bereit, Anteile an bestehenden Kraftwerken zu kaufen. Aber noch liegen keine Angebote eines deutschen Unternehmens vor.“ Demnach könnte Gazprom auch anstatt einer Beteiligung am RWE-Konzern mit gemeinsamen Kraftwerksprojekten oder mit einer Beteiligung an der RWE-Kraftwerkstochter liebäugeln.