Dollar-Krise

Japanische Regierung greift am Devisenmarkt ein

Der weltweite Absturz des Dollar führt zu Stützungsmaßnahmen der japanischen Regierung, die um ihre Exportwirtschaft fürchtet.

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Nach der Schweiz hat auch Japan auf den Höhenflug der heimischen Währung reagiert und direkt am Devisenmarkt eingegriffen. Die japanische Regierung habe alleine gehandelt, stehe aber in Kontakt mit anderen Regierungen, sagte der japanische Finanzminister Yoshihiko Noda in Tokio. Er habe zudem der Notenbank vorgeschlagen, die Aktion zu unterstützen.

Gleichzeitig hat die japanische Notenbank ihre Geldpolitik weiter gelockert. Das Programm zum Ankauf von Vermögenswerten werde auf 15 von zuvor 10 Billionen Yen (rund 9 Milliarden Euro) erhöht, teilte die Bank of Japan mit. Die Entscheidung sei einstimmig gefallen. Den Leitzins beließ die Zentralbank im Korridor zwischen 0 und 0,1 Prozent.

An den Finanzmärkten sorgte der Schritt für eine leichte Entspannung. Der Yen gab leicht nach und die japanischen Aktien erholten sich etwas von den zuletzt deutlichen Verlusten. Wegen der Schuldenkrisen in Europa und den Vereinigten Staaten hatte es in den vergangenen Tagen eine Flucht aus dem Euro und dem Dollar in japanische Yen und Schweizer Franken gegeben. Die Wettbewerbsfähigkeit von Japan und der Schweiz wird damit massiv geschwächt. Die Schweiz hatte infolge dessen bereits am Mittwoch mit Franken-Verkäufen reagiert.

Die Intervention am Donnerstag war die dritte seit September 2010. Zuletzt griff die japanische Notenbank im März nach dem Megaerdbeben und dem Tsunami gemeinsam mit anderen Notenbanken am Devisenmarkt ein.

Zuletzt fiel der Dollar wegen der Probleme der US-Wirtschaft unter die Marke von 77 Yen und sank damit auf das Niveau vom März, als der Dollar im Vergleich zum Yen auf ein Rekordtief gefallen war. Mitte 2007 mussten für einen Dollar noch mehr als 120 Yen gezahlt werden.

Dies ist ein Problem für die stark von Exporten abhängige japanische Wirtschaft, da sie für ihre Produkte im Ausland weniger erlöst oder die Preise erhöhen muss. So sieht zum Beispiel Toyota einen Dollar unter der Marke von 80 Yen als Wachstumsbremse an. Die japanische Notenbank geht bei ihren aktuellen Wachstumsprognosen von einem Kurs von rund 82,60 Yen pro Dollar aus. Am Donnerstagmorgen kletterte der Yen infolge des Eingriffs am Währungsmarkt erstmals seit dem 21. Juli über die Marke von 79 Yen.

Der japanische Finanzminister kündigte zudem an, dass die Notenbank den Schritt der Regierung unterstützen wird. So werde die Bank of Japan wahrscheinlich das Programm zum Rückkauf von Anleihen ausweiten wird. Dieses war 2010 aufgelegt worden, um einer Deflation entgegenzuwirken und zuletzt im März 2011 wegen der Naturkatastrophen ausgeweitet worden. Am Rentenmarkt sank die Rendite der zehn Jahre laufenden Staatsanleihen erstmals seit November unter ein Prozent.

EZB dürfte Leitzins unverändert lassen

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird an diesem Donnerstag voraussichtlich trotz des hohen Preisdrucks im Euro-Raum eine Zinspause einlegen. Bei der Ratssitzung in Frankfurt dürften aber weitere Schritte diskutiert werden. Die Inflationsrate in den 17 Ländern mit Euro-Währung ist immer noch deutlich vom Zielwert der Notenbank von knapp unter zwei Prozent entfernt, auch wenn sie nach ersten Schätzungen im Juli mit 2,5 Prozent etwas niedriger ausfiel als im Juni.

Experten erwarten, dass die Währungshüter die geldpolitischen Zügel bis zum Jahresende noch einmal straffen. Der wichtigste Zins zur Versorgung der Kreditwirtschaft mit Zentralbankgeld liegt nach zwei Erhöhungen mittlerweile bei 1,5 Prozent.