Finanzexperten

Konjunkturaussichten brechen dramatisch ein

Der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung berechnete Index zur Konjunkturerwartung ist für Deutschland im August dramatisch gefallen.

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Die Konjunkturaussichten für Deutschland sind nach Ansicht von Finanzmarkt-Experten dramatisch eingebrochen. Im August fiel der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) berechnete Index zur Konjunkturerwartung um 22,5 Punkte auf nun minus 37,6 Punkte, wie das ZEW in Mannheim mitteilte.

Der Rückgang fiel damit deutlich stärker aus als in den vergangenen Monaten, in denen der Index ebenfalls gefallen war. Die bisher schon geäußerte Skepsis der Experten habe sich "dramatisch verstärkt", erklärte ZEW-Präsident Wolfgang Franz.

Grund für den Einbruch sind laut ZEW unter anderem die Schuldenkrise in Europa und die Angst vor einer Rezession in den USA. Die zunehmende Skepsis liegt demnach auch in den "enttäuschenden BIP-Zahlen" für das zweite Quartal in Deutschland begründet. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) war zwischen April und Juni im Vergleich zum Vorquartal lediglich um 0,1 Prozent gestiegen. Der Wirtschaftsaufschwung in Deutschland kam also fast zum Erliegen. ZEW-Präsident Franz verwies darauf, dass die Erwartungen der Experten "im Einklang mit dem Konjunkturpessimismus auf den Aktienmärkten" stünden.

Auch die aktuelle Lage bewerten die Finanzmarkt-Experten deutlich schlechter. Im Vergleich zum Vormonat fiel der entsprechende Indikator um 37,1 Punkte auf 53,5 Punkte. Für die Euro-Zone sanken die Erwartungen um 33,0 Punkte auf minus 40,0 Punkte. Der Indikator für die aktuelle Lage verschlechterte sich um 21,4 Punkte auf minus 19,1 Punkte.

Der ZEW-Index ist ein monatlicher Stimmungstest zur deutschen Wirtschaft. Das Institut befragt regelmäßig Analysten und institutionelle Anleger, wie sie die aktuelle Lage und die Entwicklung in den kommenden sechs Monaten bewerten.

Ifo-Institut: Industrie plant mehr Investitionen

Trotz Börseneinbruchs und Konjunktursorgen will die Industrie wieder deutlich mehr investieren. Laut einer Befragung des Münchner Ifo Instituts wollen die Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes in Westdeutschland in diesem Jahr rund 14 Prozent mehr ausgeben als im Vorjahr. "Der sich für dieses Jahr abzeichnende Investitionsanstieg ist breit angelegt."

Fast alle Branchen haben eine Anhebung ihrer Ausgaben für neue Bauten und Ausrüstungsgüter geplant", teilte das Institut am Dienstag mit. 2009 waren die Investitionen stark eingebrochen, im vergangenen Jahr hatten die Unternehmen noch sehr verhalten investiert.

Das Geld solle in diesem Jahr weniger in Kapazitätserweiterungen gesteckt werden. Stattdessen solle meist die Produktpalette geändert oder erweitert werden. An zweiter Stelle stünden Ersatzbeschaffungen. Rationalisierungsinvestitionen hätten spürbar an Bedeutung verloren: "Nur noch jedes zehnte westdeutsche Industrieunternehmen will in diesem Jahr vorrangig in Rationalisierungsmaßnahmen investieren."

Im vergangenen Jahr hätten die Unternehmen gut 38 Milliarden Euro in neue Bauten und Ausrüstungsgüter investiert. Damit hätten sie ihre Investitionen gegenüber dem Vorjahr nur um ein Prozent erhöht. Das entspreche real einem Anstieg um zwei Prozent, da die Preise für Ausrüstungsgüter im vergangenen Jahr abermals leicht gesunken seien.

Vor allem größere Unternehmen wollen ihre Investitionsausgaben erhöhen, erklärten die Konjunkturforscher. Kleinere Firmen, die in ihren Planungen flexibler seien, hätten ihre Ausgaben für neue Bauten und Ausrüstungsgüter schon im Vorjahr aufgestockt. An der Umfrage beteiligten sich rund 1900 Industrieunternehmen.

Auch DIHK erwartet weiter Wachstum

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) erwartet ein langsameres Wachstum der Weltkonjunktur. Für Rezessionsängste gibt es nach Angaben seines Außenhandelschefs Volker Treier aber keinen Anlass. Der DIHK veröffentlichte am Montag in Berlin seinen Außenhandelsbericht, der nach den Worten Treiers die jüngsten Turbulenzen an den Börsen bereits berücksichtigt. Danach wird die Weltwirtschaft in diesem Jahr um 3,9 Prozent wachsen (2010: 5,0 Prozent). 2012 sollen es 4,1 Prozent sein.

Die Ergebnisse der jüngsten Umfrage unter den mehr als 80 Außenhandelskammern mit über 42.000 Mitgliedsunternehmen deuteten auf ein "leicht moderateres" Wachstum, zeigten "aber nicht wirklich beängstigend nach unten".