Bayreuther Festspiele 2013

Frank Castorf soll Bayreuther "Ring" schmieden

Volksbühnen-Chef Frank Castorf soll 2013 den "Ring des Nibelungen" in Bayreuth inszenieren. Erste Reaktionen sind eher zweifelnd.

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Volksbühnen-Chef Frank Castorf soll 2013 in Bayreuth den neuen "Ring des Nibelungen“ inszenieren. Das bestätigte gestern Katharina Wagner , die gemeinsam mit ihrer Halbschwester Eva Wagner-Pasquier die Bayreuther Festspiele leitet.

Die Gerüchte um den Berliner Theatermann Castorf gab es bereits vorher, aber die Festspiele wollten sich offiziell dazu nicht äußern. Katharina Wagner hatte sowohl einen Pressetermin als auch ihre Teilnahme an der kulturpolitisch wichtigen Pressekonferenz zum Bayreuth-Gastspiel des Israel Chamber Orchestra abgesagt.

Erste Reaktionen – eher zweifelnd

Erst am Eröffnungstag der Richard-Wagner-Festspiele bestätigte sie nun, dass es derzeit Verhandlungen mit dem 60-jährigen Regisseur gebe, aber bisher keine definitive Zusage. Das Inszenierungsteam rund um Castorf müsse erst noch gefunden werden. Wobei als Bühnenbildner der Serbe Aleksandar Denic im Gespräch ist, womit auch wieder eine Nähe zum Film hergestellt wäre.

Ursprünglich sollte Filmregisseur Wim Wenders den "Jubiläumsring“ inszenieren. Nach seiner Absage war fast ein Jahr lang darüber spekuliert worden, wer sich im Jahr 2013, wenn sich der Geburtstag von Richard Wagner zum 200. und sein Todestag zum 130. Mal jährt, auf den Grünen Hügel wagt.

Die ersten Reaktionen auf Castorfs erstes großes Operndebüt fielen eher skeptisch aus. Castorf, der seit Anfang der Neunzigerjahre die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz prägt, ist bekannt für seine die Stücke zertrümmernden und verfremdenden Ästhetik. Seine Inszenierungen wurden lange Jahre kontrovers diskutiert. Mittlerweile gilt er vielen als ausgebrannt.

Castorf hegt auch eine Liebe für die Oper

Allerdings hatte Castorf in den letzten Jahren auch eine gewisse Liebe zur Oper entdeckt und als Regisseur im Jahr 2006 "Die Meistersinger“ im Bühnenbild von Jonathan Meese in seinen eigenwilligen Volksbühnenkanon einverleibt. Aber es ist unvorstellbar, dass eine solche Inszenierung in Bayreuth möglich wäre.

Auch der Berliner Regisseur Sebastian Baumgarten , mit dessen „Tannhäuser“-Inszenierung die 100. Richard-Wagner-Festspiele eröffnet wurde, hat eine enge Verbindung zur Volksbühne und privat zu Castorf.

Der 42-jährige ausgebildete Opernregisseur, Enkel des früheren Staatsopern-Intendanten Hans Pischner, hat bereits mehrmals an Castorfs Volksbühne inszeniert und arbeitet in seinen Aufführungen an anderen Bühnen häufig mit deren Schauspielern zusammen.

Die Nachricht von der möglichen Verpflichtung seines Weggefährten Castorf für die Arbeit in Bayreuth wollte Baumgarten, der selbst noch vom vorherigen Festspielleiter Wolfgang Wagner verpflichtet worden war, gestern nicht kommentieren.

Wenn Castorf einen fundierten "Jubiläumsring“ inszenieren soll, dann muss der Vertrag schnellstens unter Dach und Fach. Denn eine Vorbereitungszeit von nunmehr zwei Jahren für das Opus magnum Richard Wagners mit seinen vier Teilen "Das Rheingold“, "Siegfried“, "Die Walküre“ und "Götterdämmerung“ gilt als kaum ausreichend.

Übrigens gab es kurz vor der Eröffnung der diesjährigen Festspiele bereits einen neuen „Ring“ zu sehen, allerdings in einer speziellen Bearbeitung für Kinder. Das launige Projekt dauert nur anderthalb Stunden. Castorf hat dagegen insgesamt fünfzehn Stunden Wagner-Musik vor sich.