Erfolg in Aachen

Rath und Totilas mit glanzvoller CHIO-Premiere

Dressurpferd Totilas erfüllt beim ersten Auftritt in Aachen die hohen Erwartungen. "Das war klasse von Matthias", lobt Besitzer Paul Schockemöhle auch den Reiter.

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Als Reiter und Pferd den finalen Schritt getan hatten, schrie Ann Kathrin Linsenhoff wenige Meter vom Dressurviereck entfernt laut auf. Sie sprang in ihrem türkisfarbenen Ledermantel in die Höhe und umarmte dann stürmisch ihrem Ehemann Klaus-Martin Rath.

Da fiel auch bei Matthias Alexander Rath die Anspannung ab, der 26-Jährige tätschelte erst den Hals seines schwarzen Hengstes und wedelte dann beim Ausreiten aus dem Stadion mit seinem Zylinder ins begeisterte Publikum. „Das war unglaublich“, jubilierte Stiefmutter Linsenhoff, „ich bin völlig hin und weg, die beiden sind wunderbar verschmolzen und passen gut zueinander.“

Die Erleichterung nach der geglückten CHIO-Premiere von Matthias Alexander Rath und seinem Wunderhengst Totilas war groß, mit 82,149 Prozentpunkten triumphierte das Duo im Grand Prix beim Weltfest des Pferdesports in Aachen souverän und führte damit auch die deutsche Equipe zum ersehnten Sieg im Nationenpreis.

„Das war ein fantastische Runde“, freute sich Rath nach seinem gelungenen Ritt. „Es ist etwas ganz Besonderes, in Aachen zu gewinnen, das ist ein phänomenales Gefühl.“ Ebenso stolz und glücklich war auch Paul Schockemöhle , der mit Ann Kathrin Linsenhoff eine Besitzergemeinschaft für den Ausnahmehengst Totilas gebildet hat.

„Das war ein klasse Grand Prix von Matthias, er hat sich optimal auf Totilas eingestellt“, lobte der ehemalige Springreiter und erfolgreiche Züchter. Die deutsche Mannschaft schwang sich damit zum Favoriten auf Teamgold bei den Europameisterschaften im August in Rotterdam auf.

Am Morgen hatte die deutsche Equipe noch eine Schrecksekunde erlebt. Auf dem Abreiteplatz lahmte Anabel Balkenhols elf Jahre alter Wallach Dablino. „Die Verletzung kam aus dem Nichts“, klagte die Reiterin, die daraufhin für den Grand Prix passen musste und somit im Teamwettbewerb das Streichergebnis lieferte. Durch den Ausfall des Paares aus dem Münsterland schmolz die deutsche Mannschaft auf drei Paare zusammen, so dass sich kein Duo einen Patzer erlauben durfte.

Mit einer soliden Vorstellung führte der WM-Dritte Christoph Koschel die deutsche Mannschaft in die Erfolgsspur. Der 35-Jährige kam mit dem Wallach Donnperignon auf 73,362 Prozentpunkte, vollauf zufrieden aber war der Jurist nicht. „Da war mehr drin“, sagte Koschel, „mein Pferd war sehr gut drauf, doch ich bin zu wenig Risiko gegangen.“

Unter lautem Applaus betrat dann mit Isabell Werth die Grande Dame der Dressur mit ihren Nachwuchspferd El Santo das Viereck. Und die fünfmalige Olympiasiegerin aus Rheinberg zeigte einmal mehr, warum sie weltweit als begnadete Reiterin und Ausbilderin gilt.

Mit Mut und Risiko zeigte das Duo eine Vorstellung „wie aus einem Guss“, wie Werth später jubilierte. „Und die Pirouetten hätten nicht kleiner und gesetzter sein können.“ Sie habe immer an das große Potenzial von El Santo geglaubt, sagte Werth. „Aber dass er sich so schnell so gut entwickelt, überrascht mich schon.“

Während die Reitwelt sich um Totilas scharrt, kann Werth den zehnjährigen Wallach nun in Ruhe weiter ausbilden im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2012 in London. Die Olympiasiegerin lachte: „Es gefällt mir außerordentlich gut, wie jetzt im Windschatten von Totilas zu leben.“