Schwergewichtsboxen

Die Klitschkos werden niemals die Könige sein

Der Triumph der Klitschkos ist beeindruckend. Doch unsterblich kann nur werden, wer alle großen Rivalen seiner Ära besiegt hat. Das bleibt den Brüdern wohl versagt.

Die Klitschko-Brüder sind am Ziel ihrer boxerischen Träume angekommen. Mit seinem souveränen Punktsieg Samstagnacht in Hamburg gegen das britische Großmaul David Haye vollendete Wladimir das Familienglück der promovierten Sportwissenschaftler. Nach den Weltmeistertiteln der World Boxing Organization und International Boxing Federation erkämpfte sich der 35-Jährige nun auch noch den der World Boxing Assocation.

Sein fünf Jahre älterer Bruder Vitali ist Champion des World Boxing Councils. Damit sind die WM-Gürtel der vier bedeutendsten Boxweltverbände allesamt im Besitz der ukrainischen Schwergewichtler. Das gab es in der über 100-jährigen Geschichte des Preisboxens noch nie.

Der vor 15 Jahren begonnene Triumphzug der Klitschkos ist auch deshalb so beeindruckend, weil er nicht geradlinig verlief, sondern von vielen Höhen und Tiefen geprägt war. Als Vitali im Frühjahr 2000 seinen WBO-Gürtel gegen den Amerikaner Chris Byrd durch verletzungsbedingte Aufgabe verlor, spotteten die US-Medien: "Er hat keine Eier.“ Doch er belehrte alle eines Besseren. Im April 2004 erkämpfte er sich den WBC-Titel, den er im November 2005 schweren Herzens freiwillig niederlegt. Aus und vorbei für immer, so schien es. Die Gesundheit spielte nicht mehr mit.

Drei Jahre später jedoch kehrt er überraschend in den Ring zurück und wird auf Anhieb wieder WBC-Weltmeister. Auch das hatte die Boxwelt noch nicht erlebt. Sechsmal hat er inzwischen den Titel verteidigt. Ein Ende seiner Regentschaft ist nicht in Sicht.

Auch Wladimirs Karriere schien beendet zu sein, bevor sie richtig begonnen hatte. Nach den schweren K.o.s gegen den Südafrikaner Corrie Sanders im März 2003 und 13 Monate später gegen den Amerikaner Lamon Brewster bezeichneten ihn die Kritiker als eine Pfeife ohne Herz und Kinn. Selbst sein Bruder riet ihm nach dem zweiten Knockout, die Handschuhe an den berühmten Nagel zu hängen. Doch statt darauf zu hören, sann er auf Wiedergutmachung, potenzierte seinen Ehrgeiz und konzentrierte sich fortan auf das Wesentliche. Seit 2006 ist er IBF-, seit 2008 WBO- und seit dem 3. Juli 2011 auch WBA-Champion.

Das Schwergewicht gilt als Königsklasse unter den 17 Gewichtsklassen im professionellen Faustkampf. Die Kings sind die Klitschkos trotz ihrer einmaligen Titelsammlung aber nicht. Und sie werden es auch niemals sein. Auch nicht ein Wladimir, obwohl er der erste Dreifach-Champion seit Lennox Lewis ist. Dem Briten war das Kunststück vor zwölf Jahren geglückt. Er gilt nach wie vor als letzter so genannter undisputed (unbestrittener) Weltmeister. Dieses Attribut bekommt nur, wer alle großen Rivalen seiner Ära besiegt hat.

Bei den Klitschkos hieße es, dass sie gegeneinander antreten müssten. Doch das wird nicht passieren, jedenfalls haben sie es ihrer Mutter versprochen.