Abhöraffäre

"News of the World"-Reporter tot aufgefunden

Sean Hoare – der Journalist, der als erster im Abhörskandal um die Boulevardzeitung "News of the World" auspackte – ist tot. Das bestätigt die Polizei.

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Der britische Journalist, der als erster zum Abhörskandal um das britische Boulevardblatt "News of the World" ausgepackt hat, ist laut Polizei tot aufgefunden worden. Sean Hoare hatte den einstigen Chefredakteur der Zeitung und früheren Kommunikationschef von Premierminister David Cameron, Andy Coulson, belastet. Im Zusammenhang mit dem Hacking- und Bestechungsskandal traten binnen 24 Stunden der Londoner Polizeichef Paul Stephenson und sein Stellvertreter John Yates zurück.

Hoare war von der "New York Times" mit den Worten zitiert worden, das Abhören von Telefonen sei bei der "News of the World" zu Zeiten Coulsons eine weitverbreitete Methode gewesen und die Journalisten seien dazu sogar ermutigt worden.

Der Reporter wurde in seinem Haus tot aufgefunden. Sein Tod werde nicht als verdächtig eingestuft, erklärte die Polizei laut der britischen Inlandsnachrichtenagentur PA am Montag. Laut der Zeitung „ The Guardian “ hatte der Reporter Alkohol- und Drogenprobleme.

Der stellvertretende Londoner Polizeichef Yates hatte vor zwei Jahren entschieden, die Ermittlungen zu den Vorwürfen gegen die "News of the World" nicht wieder aufzunehmen. Nach Angaben der Polizei-Aufsichtsbehörde wurden mittlerweile Vorwürfe gegen vier ehemalige ranghohe Londoner Beamte erhoben, darunter Ex-Polizeichef Stephenson und Yates. Rebekah Brooks, einst eine der mächtigsten Frauen Großbritanniens, verlor ihren Posten als Chefin der britischen Zeitungssparte des Medienimperiums von Rupert Murdoch und wurde festgenommen.

Murdoch und Brooks vor Parlamentsausschuss

Am Dienstag soll Medienmogul Rupert Murdoch gemeinsam mit weiteren Schlüsselfiguren des britischen Abhörskandals vor britischen Parlamentariern aussagen. Die Abgeordneten wollen von dem 80-jährigen Murdoch wissen, was er von den illegalen Abhörpraktiken wusste.

Ebenfalls vorgeladen sind sein Sohn James und die frühere Verlagsmanagerin Rebekah Brooks. Sie war am Sonntag vorübergehend festgenommen worden. In einer weiteren Anhörung müssen die zurückgetretenen Scotland-Yard-Chefs Paul Stephenson und John Yates Rede und Antwort stehen. Sie sehen sich Korruptionsvorwürfen ausgesetzt.

Die Abhöraffäre ist vor zwei Wochen übergekocht. Besonders bekannt wurde der Fall der 13-jährigen Milly Dowler. Reporter manipulierten die Handy-Mailbox des Mädchens und machten den Eltern so falsche Hoffnungen, dass ihr Kind noch leben könnte. Insgesamt geht die Polizei davon aus, dass mindestens 4000 Menschen Opfer der Abhörpraktiken geworden sind.