"News of the World"-Affäre

Abhör-Skandal – Camerons Ex-Berater festgenommen

Der "News of the World"-Skandal hat drastische Folgen: Der Ex-Berater des britischen Premiers wurde festgenommen, die britische Presseaufsicht wird reformiert.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Ein früherer Berater des britischen Premierministers David Cameron ist wegen des Abhörskandals um die Zeitung „News of the World“ festgenommen worden. Das bestätigte die Londoner Polizei Scotland Yard am Freitag, ohne jedoch den Namen des Mannes zu nennen.

Medien berichteten aber übereinstimmend, es handle sich um Andy Coulson. Er war während der Zeit, in der die Handys von zahlreichen Menschen abgehört worden sein sollen, Chefredakteur bei dem Boulevardblatt.

Cameron hatte Coulson nach der Wahl 2010 zu seinem Kommunikationschef gemacht. Nachdem aber mehr und mehr Details um die Abhörmethoden, die in die Zeit Coulsons bei der „News of the World“ fielen, herauskamen, trat er zurück. Er hatte stets gesagt, nicht gewusst zu haben, dass Journalisten der Zeitung Telefone von Prominenten, Politikern und anderen Betroffenen angezapft hätten.

Im Zusammenhang mit dem Abhörskandal wurde auch ist der frühere „News of the World“-Ressortchef für das Königshaus unter Korruptionsverdacht festgenommen, wie die britische Inlandsnachrichtenagentur PA berichtete. Clive Goodman verbüßte 2007 eine Haftstrafe, weil er einen Lauschangriff auf Berater des Königshauses verübt hatte.

Laut PA wurde er am Freitag unter dem Verdacht der Bestechung von Polizisten erneut festgenommen. Die Polizei bestätigte die Festnahme eines 53-Jährigen unter Korruptionsverdacht. Sein Haus südlich von London wurde durchsucht.

Cameron will britische Presseaufsicht umbauen

Der Skandal wird drastische Folgen für die gesamte britische Presse haben. Cameron will als Konsequenz die Presseaufsicht im Königreich umbauen. Zugleich gestand der Regierungschef am Freitag schwere Fehler im Umgang mit der Affäre ein.

Der Skandal drehe sich keinesfalls nur um eine einzige Zeitung und einen Journalisten, sondern auch um die Polizei und die Politik, sagte Cameron in London. „Wir stecken alle mit drin – die Presse, die Politiker, die Chefs aller Parteien, ich selbst inbegriffen.“ Die Parteiführer seien so erpicht darauf gewesen, in der Gunst der Zeitungen zu stehen, das sie wissentlich ignoriert hätten, wie bei einigen Blättern gearbeitet worden sei.

Cameron kündigte mehrere Untersuchungsausschüsse an. Möglichst bald werde er eine unabhängige Kommission einsetzen, die Vorschläge machen solle, wie die britische Presselandschaft in Zukunft reguliert werden könne. Das sei sehr schwierig, da die Pressefreiheit nicht eingeschränkt werden dürfe. „Freiheit der Presse heißt aber nicht, dass sie über dem Gesetz steht.“

Auch die Vorwürfe an die Polizei, Bestechungsgelder angenommen zu haben, werde auf den Grund gegangen. Weil das bisherige System der Presseaufsicht versagt habe, müsse ein neues geschafften werden, erklärte Cameron.

Cameron sagte auch, die Entscheidung, den früheren „News of the World“-Chef Andy Coulson als seinen Kommunikationschef einzustellen, sei ein Fehler gewesen. Er übernehme dafür die volle Verantwortung.

James Murdoch, Chef des Verlages News International, hatte überraschend bekanntgegeben, dass „ News of the World “ eingestellt wird. Zuvor waren tagelang neue Gerüchte über die Arbeitsmethoden bei der Sonntagszeitung ans Licht gekommen. Bis zu 4000 Menschen könnten abgehört worden sein – darunter Soldatenwitwen, Entführungsopfer sowie Opfer von Terroranschlägen. Außerdem soll das Blatt Polizisten bestochen haben.