Olympia-Vergabe

"Sagen Sie doch bitte Ja zu München 2018"

Tag der Entscheidung in Durban: Bei der Präsentation hat die Münchner Delegation viel Beifall erhalten. Der Auftritt von Franz Beckenbauer löst Begeisterung aus.

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München hat mit einer starken Auftritt den entscheidenden Tag für die Vergabe der Olympischen Winterspiele 2018 in Durban eröffnet. Die insgesamt 50-minütige Präsentation mit einer ganzen Reihe von Filmen vor den Mitgliedern des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) wurde mehrfach von Beifall unterbrochen.

Vor allem die Jodel-Einlagen von Willy Rehm aus Garmisch-Partenkirchen und der Auftritt von Franz Beckenbauer sorgten für Begeisterung. Auch die anderen neun Präsentatoren wie Bundespräsident Christian Wulff oder Katarina Witt spielten ihren Part überzeugend.

Beckenbauer löst Gelächter aus

IOC-Vizepräsident Thomas Bach versprach ein „Festival der Freundschaft, dass die Welt in ihren Bann schlägt“. Er hob die Themen Nachhaltigkeit und Umwelt hervor und meinte mit einem Seitenhieb auf den favorisierten Konkurrenten Pyeongchang: „Es geht nicht darum, wie oft sich jemand beworben hat. Es geht um den Sport und die Gesellschaft von morgen. Sagen Sie doch bitte Ja zu München 2018.“

Schenken Sie uns Ihr Vertrauen“, sagte Bundespräsident Christian Wulff am Mittwoch in Durban. Er versprach „fröhliche“ und „enthusiastische“ Winterspiele: „Deutschland steht hinter München 2018.“

Der 65 Jahre alte Beckenbauer versprach unter dem Gelächter des Auditoriums, dass er im Fall des Zuschlags für München sofort mit dem Training anfangen werde, um sich für Olympia 2018 zu qualifizieren.

IOC-Präsident Jacques Rogge bezeichnete die Präsentation als „exzellent“, es wurden nur drei Fragen gestellt. Anschließend stehen die Präsentationen der Konkurrenten Annecy/Frankreich und Pyeongchang/Südkorea auf dem Programm.

Nur 95 der insgesamt 110 Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees wählen den Austragungsort der Olympischen Winterspiele 2018. Die Entscheidung zwischen München, dem südkoreanischen Pyeongchang und Annecy in Frankreich fällt dabei in höchstens zwei Wahlgängen. Nötig ist die absolute Mehrheit der Stimmen, nach derzeitigem Stand wären das 48.

Harter Konkurrent aus Südkorea

Nach IOC-Angaben fehlen sieben Mitglieder bei der Vollversammlung in Südafrika entschuldigt; der 95 Jahre alte ehemalige FIifa-Präsident Joao Havelange aus Brasilien, der Ägypter Mounir Sabet, die erkrankten James Easton (USA) und Alpha Ibrahim Diallo (Guinea) sowie der Inder Raja Randhir Singh und der saudische Prinz Nawal Faisal Fahd Aboulaziz. Dazu gesellte sich auch noch Prinz Tamin Bin Hamad Al-Thani aus Katar.

Neben IOC-Präsident Jacques Rogge enthält sich auch der Schweizer Denis Oswald seiner Stimme, um Vorwürfen der Befangenheit aus dem Weg zu gehen. Zudem dürfen die sechs Mitglieder aus den Bewerberländern zumindest in der ersten Abstimmungsrunde nicht mitvotieren. Für Deutschland sind das IOC-Vizepräsident Thomas Bach und Claudia Bokel, für Frankreich Jean-Claude Killy und Guy Drut und für Südkorea Lee Kun-Hee und Moon Dae-Sung.

Wenn eine Bewerberstadt in der ersten Runde ausscheidet, dürfen die Mitglieder des betreffenden Landes am zweiten und entscheidenden Wahlgang teilnehmen. Bei dann 97 Stimmberechtigten würde sich die absolute Mehrheit auf 49 Stimmen erhöhen.

München dürfte sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Pyeongchang liefern. Die südkoreanische Stadt scheiterte zuletzt zwei Mal sehr knapp bei der Olympia-Vergabe. Dritter Bewerber, allerdings wohl nur mit Außenseiterchancen, ist der französische Ort Annecy. Gegen 17.00 Uhr (MESZ) wird Rogge das Ergebnis verkünden. München kann dabei Geschichte schreiben – denn es wäre die erste Stadt, die Olympische Sommer- und Winterspiele ausrichten dürfte. Deutschland wartet seit 75 Jahren auf Olympische Winterspiele. 1936 fanden die Wettkämpfe in Garmisch-Partenkirchen statt.