Olympia 2018

Entscheidung im ersten Wahlgang, Warten auf Rogge

Die Entscheidung ist gefallen: Kurz nach 17 Uhr wird IOC-Chef Rogge den Austragungsort der Winterspiele 2018 küren. Fast alles deutet auf Pyeongchangs Sieg hin.

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Die Entscheidung über den Ausrichter der olympischen Winterspiele 2018 ist im ersten Wahlgang gefallen. Beobachter werten dies als Indiz dafür, dass Pyeongchang (Südkorea) den Zuschlag bekommen hat. IOC-Präsident Jacques Rogge soll das Ergebnis gegen 17.10 Uhr bekannt geben. Nach ihren Abschlusspräsentationen am Mittwoch in Durban konnten die Bewerber für die Winterspiele 2018 aus München, Annecy und Pyeongchang nur noch warten (und gegebenenfalls beten).

Pyeongchang hatte das IOC bei seiner finalen Präsentation nochmals eindringlich an seinen langen Atem im Streben nach Olympischen Winterspielen erinnert. „Wir sind jetzt wirklich bereit“, erklärte Bewerbungschef Cho Yang-ho nach den zwei gescheiterten Anläufen für 2010 und 2014. „Pyeongchang 2018 ist eine nationale Priorität der koreanischen Regierung – und das schon seit zehn Jahren“, betonte Südkoreas Staatspräsident Lee Myung-bak. Es wäre die erste asiatische Stadt außerhalb Japans, die die Winterspiele ausrichten würde.

München kann Geschichte schreiben

IOC-Präsident Jacques Rogge lobte den mehrmals von Beifall unterbrochenen Vortrag mit den Worten „Hut ab“. Auch für die beiden vorangegangenen Präsentationen der Konkurrenten München und Annecy hatte es zuvor Lob und Applaus gegeben. Die südkoreanische Stadt aber galt nach vielen Verbesserungen während der Bewerbungsphase als der Favorit.

München kann Geschichte schreiben, denn es wäre die erste Stadt, die olympische Sommer - und Winterspiele ausrichten würde. Die bayerische Landeshauptstadt will – trotz Protesten in der Bevölkerung – mit seiner Sporttradition und -begeisterung punkten. Vor wenigen Tagen aber vermeldete das Meinungsforschungsinstitut Info aus Berlin eine deutschlandweite Zustimmung von 78 Prozent für die Spiele.

München hat mit 3,38 Milliarden Dollar das niedrigste Gesamtbudget. Außerdem soll das IOC mit soliden Finanzen und erstmals klimaneutralen Spielen überzeugt werden.

Deutschland hat eine starke Bilanz bei sportlichen Großveranstaltungen. Hier mangelt es bei den Asiaten. Dafür stehen sie für neue Märkte, nachdem Brasilien mit Rio de Janeiro schon den Zuschlag für die Sommerspiele 2016 bekommen hat – als erste Stadt in Südamerika.

Die komplizierte Kontinentalarithmetik

Das Branchenmagazin „Around the Rings“ sieht München nach den Tagen in Durban sogar in der Favoritenstellung. Allerdings kann sich die deutsche Bewerbung nicht der kompletten Stimmen der europäischen IOC-Vertreter, die etwa die Hälfte der Vollversammlung stellen, sicher sein.

Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, strebt die Schweiz mit St. Moritz eine Bewerbung für die Spiele 2022 an. Deshalb sind die Stimmen aus dem Nachbarland ebenso unsicher wie die Unterstützung aus Italien, Spanien oder Italien. Den Staaten werden mit Rom, Madrid und Istanbul eigene Ambitionen für die Sommerspiele 2020 nachgesagt. Ein Münchner Erfolg würde mit Blick auf die Kontinentalarithmetik die Pläne der Südeuropäer empfindlich stören.

In dieser Frage lässt der Austragungsort der Winterspiele 2014, Sotschi, bis heute Interpretationsspielraum. Rechnet man Sotschi eher zu Asien, verkleinert das die Aussichten der Südkoreaner empfindlich. Zählt man die russische Stadt an der Schwarzmeerküste zu Europa, beeinträchtigt das die Münchner Chancen.

Aus diesem Grund behindern auch die Thronambitionen von IOC-Vizepräsident Thomas Bach die Münchener Bewerbung. Der DOSB-Präsident will 2013 zum Nachfolger von Jacques Rogge gewählt werden. Unwahrscheinlich, dass sich die olympische Familie binnen zwei Jahren in zwei wichtigen Wahlen für Deutschland entscheiden wird.

Französischer Außenseiter

Der Außenseiter Annecy kann auf die lange Tradition und eine sehr gute Infrastruktur verweisen. Frankreich hat mit Chamonix 1924, Grenoble 1968 und Albertville 1992 viel Erfahrung.

Laut einer IOC-Umfrage im Frühjahr dieses Jahres beträgt die Zustimmung für die Austragung der Spiele in Annecy gerade einmal 51 Prozent, in Frankreich 61 Prozent. Allerdings liebäugelt Frankreich auch mit einem weiteren Anlauf für Sommerspiele in Paris, was der Annecy-Bewerbung manchen Beobachtern zufolge nicht zuträglich ist.