Schutzgelderpressung

"Hells Angels"-Rocker schockt Opfer mit totem Schaf

In Potsdam sind drei "Hells Angel"-Mitglieder zu Gefängnisstrafen verurteilt worden. Die Männer sollen Schutzgeld erpresst haben.

Foto: dpa

Drei Mitglieder des Rockerclubs „Hells Angels“ sind vor dem Landgericht Potsdam zu teils mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt worden. Die Männer sollen vom Besitzer eines Tätowierstudios in Beelitz (Landkreis Potsdam-Mittelmark) Schutzgeld erpresst haben. Dazu soll ein 23-Jähriger unter anderem auch ein Schaf geschlachtet und es dem Opfer als Warnung vor die Tür gelegt haben, sagte Gerichtssprecher Frank Tiemann.

Der 23-Jährige muss nun unter anderem wegen schwerer räuberischer Erpressung vier Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. Die Staatsanwaltschaft hatte für ihn eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren gefordert. Ein 42-jähriger Angeklagter, für den die Anklage auf neun Jahre Haft plädiert hatte, wurde wegen räuberischer Erpressung und Bedrohung zu einer Strafe von zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt. Ein dritter Angeklagter muss wegen Beihilfe für ein Jahr in Haft, die Staatsanwaltschaft hatte acht Jahre gefordert.

Staatsanwaltschaft kündigt Revision an

Die Verteidigung hatte für alle Angeklagten Freispruch gefordert. Die Staatsanwaltschaft kündigte an, Revision gegen das Urteil einzulegen. Die verhängten Strafen erschienen den Anklägern als zu milde. Nach dem formalen Einlegen der Revision werde die Staatsanwaltschaft die schriftliche Urteilsbegründung prüfen und entscheiden, ob die Revision weiter aufrechterhalten werde, sagte Sprecher Tom Köpping.

Der Prozess sei ein Glücksfall für die Ermittlungen gegen Rockerclubs gewesen, ergänzte Gerichtssprecher Tiemann. Denn nur selten sage ein Geschädigter bei der Polizei und vor Gericht aus. Der Tätowierer befindet sich den Angaben zufolge nun in einem Schutzprogramm für Zeugen. Er sagte während des Prozesses in einer Video-Liveschaltung von einem geheim gehaltenen Ort gegen die Angeklagten aus.

Eichelbaum bezeichnet Rocker als „Gefahr für die Allgemeinheit“

Die Brandenburger CDU-Fraktion forderte anlässlich des Urteils ein schnelles bundesweites Verbot von Rockerbanden. Dazu müsse Innenminister Dietmar Woidke (SPD) dem Bund belastbares Material über die Banden zur Verfügung stellen, sagte der Rechtsexperte der CDU-Fraktion, Danny Eichelbaum.

Die Gerichtsverhandlung in Potsdam habe deutlich gemacht, dass es sich bei den Rockerbanden nicht um harmlose Motorradclubs handele. Allein im Jahr 2010 habe es in Brandenburg 200 strafrechtliche Ermittlungsverfahren gegen Mitglieder von Rockerbanden gegeben. „Sie stellen eine Bedrohung für die Allgemeinheit dar“, sagte Eichelbaum.