"Schwere Fehlentwicklung"

Mädchen stundenlang bis zur Bewusstlosigkeit gequält

Weil sie sich von einem Mädchen genervt gefühlt hatten, hat eine Gruppe Jugendlicher in Berlin ein Mädchen gefoltert. Die Täter wurden verurteilt.

Wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung hat das Landgericht Berlin am zwei Jugendliche im Alter von 16 und 17 Jahren zu Jugendstrafen von insgesamt fünf Jahren und zwei Monaten sowie vier Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. Gegen zwei 17- und 21-jährige Frauen wurden Bewährungsstrafen von zwei Jahren beziehungsweise 15 Monaten verhängt.

Das Quartett wurde schuldig gesprochen, im Mai dieses Jahres in unterschiedlicher Beteiligung eine Bekannte in der Weddinger Wohnung des 17-jährigen Angeklagten stundenlang gedemütigt und gequält zu haben, bis sie bewusstlos war. Danach hatten sie das verletzte Opfer auf dem Bürgersteig abgelegt.

Die 16-Jährige hatte diverse Prellungen am Kopf und eine Platzwunde an der Lippe erlitten. Im Prozess hatten die Angeklagten die Misshandlungen im Wesentlichen gestanden. Ihren Angaben nach kam es zu der Tat, weil sie sich von den angeblichen „Lügengeschichten“ des Opfers „genervt“ fühlten. Ein weiterer Angeklagter wurde wegen unterlassener Hilfeleistung zu einer Geldstrafe von 800 Euro verurteilt. Er hatte das Geschehen tatenlos verfolgt, statt dem Opfer zu helfen.

Traumatisches Erlebnis für Opfer

Es sei ein „traumatisches Erlebnis“ für das Opfer gewesen. Die 16-Jährige habe nach den Misshandlungen „Anlass gehabt, um ihr Leben zu fürchten“, betonte der Richter im Urteil. Auf dem Handy-Video, das die Misshandlungen dokumentierte habe, seien Drohungen wie „verbrennen“ zu hören gewesen. Der Versuch, das Mädchen zu ersticken, wurde allerdings fallen gelassen, weil die Tüte ein Loch hatte.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Angeklagten das Opfer gemeinsam wiederholt geschlagen oder getreten hatten. Der 16-Jährige hatte den Anfang gemacht. Er hatte dem Mädchen einen Schlüsselbund ins Gesicht geworfen, weil es angeblich „Lügengeschichten“ über seine Beziehung zu der 21-jährigen Mitangeklagten verbreitet hatte.

Danach hatten die beiden „Mädchen“, wie es hieß, das Opfer einem „Verhör unterzogen“, wobei es für jede falsche Antwort geschlagen wurde. Im Weiteren hatte die 17-Jährige ihr ein Hakenkreuz in die Frisur rasiert und sie festgehalten, als der 16-jährige Mitangeklagte sie „am Hals drückte“. Vom jüngsten Angeklagten war das Opfer dann gezwungen worden, Eierschalen zu essen und Alkohol zu trinken.

Der 17-jährige, in dessen Wohnung das Geschehen spielte, hatte die Bekannte wiederum über den Boden geschleift, ihr eine Socke in dem Mund gestopft und sie unter Mithilfe des jüngeren Mitangeklagten später auf der Straße abgelegt. Vor Gericht gab er zu, dass es seine Idee war, das Opfer wegzubringen. Er habe „keinen Bock“ gehabt, dass die 16-Jährige „in seiner Wohnung verreckt“.

Schwere Charaktermängel bei Angeklagten

Mit dem Urteil folgt das Gericht im Wesentlichen den Anträgen der Staatsanwältin. Die Bedenken- und Rücksichtslosigkeit, welche die Angeklagten dabei zeigten, würden den Schluss zulassen, dass „schwere Charaktermängel“ bei ihnen vorliegen, sagte die Anklägerin. Die 17-Jährige war eigenen Angaben nach „ausgerastet“ und hatte sich am Opfer regelrecht „abreagiert“. Ihr wurde eine „schwere dissoziale Fehlentwicklung“ bescheinigt und zur Auflage gemacht, an einem Antiaggressionstraining teilzunehmen.

Die 21-jährige Mitangeklagte wurde vom Gericht angewiesen ihre „Persönlichkeitsstörung“ in einer Psychotherapie behandeln zu lassen, zukünftig drogenfrei zu leben und dies dem Gericht nachzuweisen. Beide kamen im Vergleich zu den beiden Mittätern mit einer Bewährungsstrafe davon, weil sie nicht vorbestraft sind. Der 16- und der 17-jährige Mitangeklagte wurde erst im vorigen Monat wegen Raubes verurteilt. Das Urteil wurde in die jetzige Strafe miteinbezogen.