Tote Familie

Tödliches Feuer in Berlin-Neukölln war Brandstiftung

Der Brand in einem Mietshaus im Berliner Bezirk Neukölln, bei dem drei Menschen starben, wurde absichtlich entfacht. Inzwischen sind die Opfer identifiziert. Die Polizei ermittelt.

Die Ursache des Wohnungsbrandes in Berlin-Neukölln, bei dem am Samstag ein Mann, seine Schwester und deren zehn Tage alter Sohn ums Leben kamen, war vorsätzliche Brandstiftung. Mehrere im Treppenhaus abgestellte Gegenstände in dem Hinterhaus in der Sonnenallee 18 seien angezündet worden, teilte die Polizei mit. Ermittelt werde jetzt wegen Mordes und schwerer Brandstiftung. Die Untersuchungen gehen in alle Richtungen, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte. Hinweise auf einen fremdenfeindlichen Hintergrund gebe es nicht. Bei dem Brand waren 17 weitere Personen teilweise schwer verletzt worden. In dem Haus lebten den Angaben zufolge vor allem Menschen aus der Türkei, Bosnien, Bulgarien und Rumänien.

Todesopfer sind identifiziert

Erst einen Tag nach dem Brand konnten die Todesopfer zweifelsfrei identifiziert werden. Dabei handelt es sich um einen 28-jährigen Mieter des Wohnhauses sowie seine 26-jährige Schwester und deren Säugling. Sie sollen aus Bosnien stammen. Die Frau war mit dem Baby nur zu Gast bei ihrer Familie in dem Haus. Alle drei erlagen Rauchgasvergiftungen, wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte. Das hätten die Obduktionen ergeben.

Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei platzte bei dem Brand durch die Hitze ein Treppenhausfenster. Durch die vermehrte Sauerstoffzufuhr breiteten sich die Flammen am frühen Morgen daraufhin im gesamten Treppenhaus aus. Wegen der starken Rauchentwicklung seien einige Mieter erwacht. Nachdem sie ihre Wohnungstüren geöffnet hatten, kam es zu einem sogenannten Kamineffekt und die Flammen griffen auf die Wohnungen über. Für die Hausbewohner sei deshalb nur eine Rettung über die Fenster möglich gewesen.

Der 28-jährige Mann hatte sich durch einen Sprung aus einem Fenster in der ersten Etage retten wollen. Er starb wenig später. Seine Schwester und das Baby wurden tot in einer Wohnung in derselben Etage gefunden. Drei Hausbewohner retteten sich vor den Flammen, indem sie in ein Sprungpolster der Feuerwehr sprangen. Fünf Menschen wurden mit Leitern aus dem Haus geholt und weitere zehn brachte die Feuerwehr mit sogenannten Fluchthauben aus dem Haus. 17 Menschen wurden in Krankenhäuser gebracht.

Couragierter Bürger half bei der Rettung

Nach Einschätzung der Polizei ist es dem beherzten Handeln eines Bürgers, der noch vor Eintreffen der Rettungskräfte half, Personen aus den Fenstern zu retten, sowie der professionellen Arbeit der Feuerwehr zu verdanken, "dass keine weiteren Todesopfer zu beklagen sind“.

Nach den Löscharbeiten war das Hinterhaus den Angaben zufolge gesperrt worden, weil alle Wohnungen unbewohnbar sind, wie eine Polizeisprecherin mitteilte. Für Fragen der Hausbewohner sowie für Zeugen, die Hinweise zur Aufklärung der Brandursache geben können, wurde ein Bürgertelefon bei der Polizei eingerichtet. Es ist unter der Nummer 4664 910 510 zu erreichen. Bis Sonntagmittag waren nach Angaben eines Polizeisprechers nur einige Zeugenhinweise eingegangen. Eine Erfolg versprechende Spur habe sich daraus zunächst nicht ergeben.

Erinnerungen an tödliches Feuer in der Ufnaustraße

In Berlin sind in der Vergangenheit immer wieder in Treppenhäusern abgestellte Kinderwagen angezündet worden. Ein solcher Fall führte im August 2005 zu einer der schlimmsten Brandkatastrophen in der Berliner Nachkriegszeit: In der Moabiter Ufnaustraße kamen neun Menschen ums Leben. Ein Zwölfjähriger gestand später, in der Nähe eines Kinderwagens mit Papier gezündelt zu haben.