Lokführer-Streiks

Tausende Pendler stranden bundesweit auf Bahnhöfen

Die Streiks der Lokführer haben den Zugverkehr in Deutschland erneut stark beeinträchtigt. Nur die Berliner S-Bahn kam glimpflich davon.

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Bahnreisende mussten abermals Zugausfälle und Verspätungen hinnehmen. Die Lokführergewerkschaft GDL hatte zu bundesweiten Warnstreiks aufgerufen.

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Wegen Warnstreiks der Lokführer haben Bahnreisende erneut erhebliche Wartezeiten in Kauf nehmen müssen. Bundesweit fielen im Nah-, Regional- und Fern- sowie Güterverkehr Züge aus oder erreichten ihr Ziel mit massiver Verspätung, wie die Deutsche Bahn (DB) mitteilte. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hatte den Arbeitskampf für die Zeit zwischen 8.30 und 11.30 Uhr angekündigt. Die Fahrpläne sollten sich laut Bahn aber erst zum Abend hin wieder normalisieren, da die betroffenen Züge erst nach einigen Stunden wieder wie vorgesehen rollen würden.

Von der Aktion ausgenommen war einzig die Berliner S-Bahn, die ohnehin nur eingeschränkt fährt. Besonders betroffen waren das Rhein-Main-Gebiet sowie der S-Bahn-Verkehr in Hamburg und Stuttgart. Mit den Warnstreiks will die GDL den Druck im festgefahrenen Tarifstreit mit der Bahn und den sechs größten privaten Bahnunternehmen erhöhen: „Das Vergießen von Krokodilstränen und öffentliche Beteuerungen der Verhandlungsbereitschaft sind kein Ersatz für tragfähige Angebote“, sagte GDL-Chef Claus Weselsky. DB und Privatbahnen müssten jetzt „deutlich nachbessern, um weitere Arbeitskämpfe abzuwenden“.

Warnstreiks der Lokführer hatten schon am Dienstag zu massiven Behinderungen im Zugverkehr geführt: Zehntausende Bahnreisende mussten erhebliche Verspätungen hinnehmen. Weselsky betonte vor Beginn der Arbeitsniederlegungen, die GDL gehe mit ihrer „Streikmacht verantwortungsbewusst um“. Das zeige sich schon daran, dass der Warnstreik diesmal nicht den Berufsverkehr treffe. Der Gewerkschaftschef verwies zugleich auf die laufende Urabstimmung über weitere Streiks.

Die Auszählung der Wahlzettel beginne am 7. März. Sollten die Lokführer die Linie der Gewerkschaft mehrheitlich unterstützen, könne es zu regelmäßigen Arbeitsniederlegungen kommen. Die GDL fordert in der seit Sommer 2010 andauernden Tarifrunde einheitliche Löhne und Gehälter für alle 26.000 Lokführer in Deutschland, egal ob sie Fern-, Nah- oder Güterzüge fahren. In einem Flächentarifvertrag soll ein Entgelt festgeschrieben werden, das bei 105 Prozent des DB-Niveaus liegt. Der Staatskonzern habe bislang lediglich eine Entgelterhöhung von 1,9 Prozent bezogen auf das Kalenderjahr vorgeschlagen.

Die DB bezeichnete den erneuten Warnstreik als überflüssige Machtdemonstration. „Statt unverzüglich weiter zu verhandeln, setzt die GDL ihre Irrfahrt fort. Die Beeinträchtigungen für unsere Kunden sind unverhältnismäßig“, sagte Personalvorstand Ulrich Weber. Die Bahn und ihre Kunden seien die falschen Adressaten.

Die Behauptungen der Gewerkschaft wies Weber als falsch zurück. So umfasse das Entgeltangebot in einem ersten Schritt ein Plus von 1,8 Prozent zuzüglich weiterer Verbesserungen wie bei der Altersvorsorge von rund 1,2 Prozent. In einem zweiten Schritt wolle der Konzern weitere zwei Prozent zahlen. Weber rief die GDL auf, sich endlich konkret zu erklären, was genau ihre Forderungen zu einem Flächentarifvertrag noch seien.

Um die Auswirkungen der Warnstreiks abzufedern hat die Bahn erneut zusätzlich mehrere Hundert Mitarbeiter vor allem an den Service Points in Bahnhöfen und der telefonischen Auskunft eingesetzt. Reisende können sich unter 0800 / 99 66 33 oder im Internet informieren.