Berliner Protest

Spötter übernehmen Pro-Guttenberg-Demonstration

Aus der Demonstration für eine Rückkehr Karl-Theodor zu Guttenbergs in die Politik ist in Berlin eine Spott-Aktion geworden. Auch in anderen Städten gingen nur wenige auf die Straße, die meisten kamen in Guttenberg - auch der Vater des Ministers.

Eine Demonstration von vermeintlichen Anhängern von Karl-Theodor zu Guttenberg hat sich am Sonnabend in Berlin zu einer ironischen Kundgebung gegen den zurückgetretenen Verteidigungsminister entwickelt. Statt der erwarteten 1000 Teilnehmer haben sich nur ein paar Dutzend Menschen am Brandenburger Tor eingefunden. Viele tragen Plakate mit spöttischen Aufschriften wie „Gutti for Kaiser“ oder „Jetzt oder nie: Monarchie“. Einige echte Unterstützer des am Dienstag zurückgetretenen CSU-Politikers können sich gegen die lautstarke Spott-Demo nicht durchsetzen.

Es gab Diskussionen mit Passanten. Vereinzelt kam es zu kleinen Rangeleien. Die Veranstaltung verlief nach Polizeiangaben aber insgesamt friedlich.

Karl-Theodor zu Guttenberg hatte am Dienstag wegen einer Plagiatsaffäre um seine Doktorarbeit seinen Rücktritt vom Amt des Verteidigungsministers erklärt. Die Organisatoren der Pro-Guttenberg-Demo hatten zuvor die Gruppe „Wir wollen Guttenberg zurück“auf der Internet-Plattform Facebook gestartet und dort mehr als 500.000 Klicks auf den Button „Gefällt mir“ bekommen.

Vater Guttenbergs spricht von Menschenjagd

Ähnliche Kundgebungen waren auch in anderen deutschen Städten geplant. In des Ex-Ministers oberfränkischer Heimatgemeinde Guttenberg gingen die meisten, nämlich rund 2000, Unterstützer auf die Straße, um dem 39-Jährigen ihre Solidarität zu zeigen. Unter den Demonstranten war auch sein Vater, der Dirigent Enoch zu Guttenberg. Die Kritik an seinem Sohn in der Plagiatsaffäre bezeichnete der 64-Jährige als „Menschenjagd“.

Rund 300 Guttenberg-Befürworter demonstrierten in München für die Rückkehr der früheren Ministers in die Politik. Auf Plakaten forderten sie „Wir wollen Guttenberg“, betonten „KT wir glauben an Dich“ oder „Ein Guttenberg tritt nicht zurück, er nimmt nur eine Auszeit“. Andere kritisierten unter Beifall „linke Medienhetze“ gegen den CSU-Politiker.

Zahlreiche Redner riefen zu Guttenberg zum „Helden“ aus oder kritisierten die Kritik in der Plagiatsaffäre um seine Doktorarbeit. Eine Frau sprach mit erstickter Stimme davon, dass man „wie die Wölfe“ über ihn hergefallen sei. Andere betonten, dass die Mehrheit hinter zu Guttenberg stehe.

Doch auch in der bayerischen Heimat des CSU-Politikers gab es Häme. Ein Demonstrant hielt gar ein Schild mit einem Bild des jungen König Ludwigs nach oben, versehen mit den Worten „please come back“. Ein Schild, das Guttenbergs Heiligsprechung forderte, entpuppte sich auf Nachfrage als ironisch gemeint. Auch weitere Anwesende kritisierten den Ex-Minister. Ein kleines Grüppchen rief ironische Sprechchöre wie „Doktorarbeit Ha, Ha, Ha - Titel sind für alle da“. Ältere Demonstranten beschimpften sie wütend mit Sätzen wie: „Bekommt ihr schon Hartz IV?“ Ein Guttenberg-Kritiker mit dem Schild „Lügner, Betrüger, Fälscher – uns total egal“ wurde von den Demonstranten sogar abgedrängt, ähnlich wie ein Anderer, der sich mit einer ironischen Ansprache über „Guttis“, einem bayerischen Ausdruck für Süßigkeiten, zwischen die Redner geschmuggelt hatte. Die Demonstration verlief bis zum Nachmittag aber nach Polizeiangaben friedlich.

Keine Teilnehmer in Bremen und Hannover

In Hamburg demonstrierten rund 150 Anhänger von Karl-Theodor zu. Auch eine Hand voll Gegner des Politikers erschien am Gänsemarkt, wie ein Sprecher des Lagezentrums sagte. Er fügte hinzu: „Das läuft alles im friedlichem Rahmen ab.“

In Bremen und Hannover fielen geplante Kundgebungen dagegen mangels Interesse aus. „Da ist hier nichts festzustellen gewesen“, sagte ein Sprecher des Lagezentrums der Polizei in Hannover. Nach Angaben des Bremer Lagezentrums war nur eine Hand voll Unterstützer mit Plakaten zum Rathausmarkt gekommen. In Frankfurt gingen einer Meldung des Hessischen Rundfunks zufolge rund 80 Menschen für Guttenberg auf die Straße – und etwa 20 Gegendemonstranten.

Auch in Erfurt fand ein Pro-Guttenberg-Flashmob statt. Über Twitter wurden Bilder davon verbreitet, die wenige Teilnehmer zeigen.