Pechstein-Autobiografie

Frustrierter Rückblick auf eine zerstörte Karriere

Den Kampf gegen die Gerichte hat Pechstein verloren. Nun rechnet sie in ihrer Autobiografie mit allen ab.

Am Ende meldete sich Joachim Franke zu Wort. Er bedauerte, dass in den vergangenen Minuten gar nicht über die außergewöhnlichen sportlichen Leistungen der Eisschnellläuferin Claudia Pechstein geredet worden sei. Dabei hatte die fünfmalige, von Franke trainierte Olympiasiegerin doch gerade das Buch über ihr Leben präsentiert. Selbiges mit dem Titel „Von Gold und Blut – Mein Leben zwischen Olymp und Hölle" aber wurde in den vergangenen fast zwei Jahren mehr als nachhaltig von dem vermeintlichen Dopingfall Pechstein geprägt, ebenso wie nun die Vorstellung ihrer Geschichte.

„Ich bin stolz, hier sitzen zu dürfen mit meinem Buch in der Hand, das war immer mein Traum gewesen“, sagte die Berlinerin. Sie berichtete davon, dass die Aufarbeitung der Geschehnisse seit dem 7. Februar 2009, dem Tag, an dem ihr mitgeteilt wurde, dass ihre Blutwerte (Retikulozyten) erhöht sind und sie des Dopings verdächtigt wird, für sie eine Therapie war. Eine weitere neben der psychologischen Behandlung, in der sie sich immer noch befindet.

Pechstein und ihr Manager Ralf Grengel, der auch Co-Autor des Buches ist, erklärten noch einmal die Widersinnigkeit des ganzen Verfahrens gegen die Athletin, das nur auf einem einzigen Indiz basiert. Medizinische Ergebnisse, die die Sportlerin von Doping freisprechen, aber trotzdem nichts genutzt haben, wurden genannt. „Es handelt sich um einen Fehler im System der Sportgerichtsbarkeit“, sagt Grengel. Stoff für ein Buch hat sich wirklich genug angesammelt.

Vielen Passagen erkennt die 38 Jahre alte Pechstein, die sich mit Selbstmordgedanken getragen hatte, einen lehrreichen Charakter zu. „Ich wünsche mir, dass das Buch zur Pflichtlektüre für Journalisten wird“, sagte sie. Von vielen Medien fühlte sie sich „in einer Art Hexenjagd“ verfolgt. Nun kriegen es die Jäger zurück. Aber nicht nur die, Kolleginnen werden ebenso attackiert wie verschiedene Funktionäre. So ein Buch „ist nun mal auch eine gewisse Abrechnung“, sagt Pechstein, die bei ihrer Aufarbeitung sehr gewissenhaft war.

Dass jemand darüber verwundert ist, glaubt sie nicht. „Die Meinung, die ich vertrete, haben die meisten verdient“, erzählt Pechstein und fügt hinzu, dass die meisten wissen müssten, was auf sie zukommt. Pechstein gibt sich, wie sie bekannt ist: offensiv, kämpferisch, streitbar. „Ich weiß jetzt, wer auf die Liste der Freunde gehört und wer auf die der Feinde. Diese ist sicher noch länger geworden.“

Nebenbei warf Pechstein ein, dass ihre Sperre in genau drei Monaten ausläuft. „Ich hoffe, mein Ziel zu erreichen und aufs Eis zurückzukehren. Das wäre mein größter Sieg“, sagte die Berlinerin. Wie zu den anderen, am Montag zu wenig gewürdigten Erfolgen soll Franke sie auch zu diesem Sieg führen.