Öko-Sprit

Neues Superbenzin könnte Motoren schädigen

Ab Januar kommt das neue Superbenzin mit einem höheren Bio-Anteil. Einige Motoren werden damit Probleme haben – und teurer wird der Sprit auch.

Gleich nach Weihnachten wird es für Millionen Autofahrer an den Tankstellen eine schöne Bescherung geben. Ab Januar 2011 beginnt nämlich der Verkauf des neuen Sprits Superbenzin-E-10. Das ist eine Beimischung von zehn Prozent Ethanol zum herkömmlichen Superbenzin. Grund dafür ist der Wille der Europäischen Union, den Anteil regenerativer Energien beim Benzinverbrauch zu erhöhen. Doch mehr als drei Millionen Autos in Deutschland werden diese Kraftstoffsorte gar nicht vertragen. Die Pkws müssen dann weiterhin das „alte“ Super mit lediglich fünf Prozent Bio-Anteil tanken, das nach den derzeitigen Plänen noch bis 2013 verkauft werden soll.

Ob sich mit der höheren Beimischung auch die Benzinpreise verändern, dazu gibt es noch keine klaren Aussagen. Die Bundesregierung scheint vorbauen zu wollen: „Eine Preiserhöhung des Ottokraftstoffs mit zehn Volumenprozent Ethanol im Vergleich zum jetzigen Preis für Ottokraftstoff ist nicht auszuschließen“, steht im Gesetzesantrag für den Bundesrat. Besonders das voraussichtlich verwendete Bioethanol sei im Vergleich zum Kraftstoff aus Rohöl teurer in der Herstellung. „Auswirkungen auf Einzelpreise, das Preisniveau, insbesondere auf das Verbraucherpreisniveau, sind in geringem Umfang nicht auszuschließen“, steht in der Vorlage für den Bundesrat. Die Tankstellenkonzerne wollen sich nicht festlegen: Der Preis werde von der Verfügbarkeit des Ethanols, von den Kosten dafür und vom Wettbewerb abhängen, sagten die Firmensprecher.

„Wir warnen die Ölkonzerne davor, die E-10-Einführung für Preiserhöhungen zu nutzen. Der ADAC wird das sorgfältig prüfen“, sagte Dieter Wirsich, Leiter der externen Kommunikation des Automobilklubs. Es gebe keinen Grund, aus der Umstellung ein Zusatzgeschäft zu machen. „Die Ölkonzerne werden ein vehementes Interesse daran haben, die Sorte E-10 auch zu verkaufen“, sagte Björn Dosch, der beim ADAC die Verkehrsabteilung leitet. Die Konzerne haben sich der Politik gegenüber verpflichtet, einen höheren Anteil an Biokraftstoffen abzusetzen. Ohne einen erfolgreichen Verkauf von Superbenzin-E-10 aber können sie diese Ziele nicht erreichen. „Sonst droht ihnen zum Jahresende eine Strafzahlung“, sagte Dosch. Die Tankstellenbetreiber könnten daher das „alte“ Superbenzin mit fünf Prozent Bio-Beimischung im Preis verteuern, um die Autofahrer zum Umsteuern auf die neue Sorte zu bewegen.

Doch während die Konzerne schon die Einführung von Superbenzin-E-10 vorbereiten, hinken die Autohersteller hinterher: Es gibt noch keine Listen über diejenigen Fahrzeuge, die damit nicht betankt werden sollten. Der ADAC erwartet, dass sie im Dezember vorliegen werden und dass dann auch Hotlines geschaltet werden. Die Deutsche Automobil Treuhand arbeitet gerade an einer Liste der betroffenen Autos, die im Internet zur Verfügung gestellt werden soll. Denn einige Motoren mit Aluminiumteilen in der Benzineinspritzung oder bestimmten Kunststoffen in den Dichtungen vertragen den höheren Bio-Anteil nicht. Es können Motorschäden entstehen, im schlimmsten Fall kann es sogar zum Brand des Autos kommen.

Nach Angaben des Bundesumweltministeriums sollen es bis zu zehn Prozent des Fahrzeugbestandes in Deutschland sein, die kein E-10 tanken können. Jüngere Autos können ebenso betroffen sein wie ältere. „Ich hoffe, dass es nun Anfang Dezember losgeht mit der Aufklärung der Autobesitzer. Die Hersteller müssen präzise Auskunft darüber geben, welche Autos das E-10 vertragen“, sagte Uwe Franke, Vorstandschef der europäischen BP, „Morgenpost Online“.

Zu dem Ölkonzern gehört in Deutschland die Tankstellenmarke Aral. Autobesitzer müssen also den Hersteller oder die Werkstatt befragen, ob der Motor das neue Benzin zulässt. „Der Tankstellenbetreiber wird aus Haftungsgründen dazu keine Auskunft erteilen, denn bereits eine Tankfüllung kann zu Schäden führen“, sagte Franke. Bei Shell hieß es dazu lediglich: „Wir warten erst einmal die Entscheidung des Bundesrates ab.“ Am Freitag liegt der „Entwurf eines Gesetzes zur Umsetzung der Richtlinie 2009/28/EG zur Förderung der Nutzung von Energie aus erneuerbaren Quellen“ dem Bundesrat vor. An der Zustimmung der Kammer gibt es kaum Zweifel.