Zweiräder

E-Bike-Trends: Immer mehr Hersteller, immer bessere Technik

Der Boom bei Pedelecs hält an, immer mehr Modelle drängen in den Markt. Inzwischen gibt es sogar Rennräder und Mountainbikes mit Motor.

Waren E-Bikes am Anfang optisch eher schwerfällig, werden die Akkus inzwischen immer unauffälliger in die Rahmen integriert. (Symbolfoto).

Waren E-Bikes am Anfang optisch eher schwerfällig, werden die Akkus inzwischen immer unauffälliger in die Rahmen integriert. (Symbolfoto).

Foto: Schindelhauer / sps

Hamburg.  Wie schon in den Vorjahren werden wir auch in diesem Jahr eine weiter wachsende Zahl von Pedelecs mit vollintegrierten Akkus erleben. Alle wichtigen Antriebshersteller, von Bosch über Bafang bis Shimano, haben mittlerweile entsprechende Lösungen im Portfolio, die von mehr und mehr Fahrradherstellern in bekannte oder neue Baureihen oftmals sehenswert integriert werden.

Entsprechend steigt auch die Auswahl schicker und hochwertiger ­Pedelecs. Ein gutes Beispiel ist die Marke Kreidler, die lange Zeit stilistisch vor allem einfache Kost bot, doch mittlerweile mit dem Vitality Eco 20 ein technisch wie optisch anspruchsvolles E-Bike in Dienst gestellt hat.

Bei der Integration von Antriebskomponenten versuchen sich parallel vor allem Start-ups mit avantgardistischen Entwürfen zu profilieren. Wie ­das Design-Pedelec der neuen deutschen Marke Geos, bei dem ein Stahlrahmen im Zentrum steht, der trotz klassischer Fahrrad-Ästhetik ein leistungsfähiges Batteriepaket inte­griert.

Antriebe elegant in den Rahmen integriert

Ein gewagter Entwurf ist das RV01 des französischen Newcomers Stajvelo, das nicht nur mit einer Rahmenintegration von Akku und Motor, sondern auch mit Einarmführung beider Räder und in Spritzgussverfahren hergestellten Verbundwerkstoffen beeindruckt.

Ebenfalls in Frankreich erdacht und zu großen Teilen auch dort produziert wird das Coleen mit einem zunächst antiquiert wirkenden Kreuzrahmen, in dem sich ein 529-Wh-Akku versteckt. Das voraussichtlich um die 7000 Euro teure Edel-E-Bike zeichnet sich durch einen spartanischen Stil sowie individuelle Bauteile aus Metall und ­etliche hochwertige Komponenten aus.

Zunehmend stärker elektrisiert sind auch Rennradhersteller, die trotz gewisser Widersprüchlichkeit zum Ethos der Szene in wachsender Zahl Modelle mit Motor auf den Markt bringen. Neben dem besonders kompakten und damit fast unsichtbaren Fazua-Antrieb werden mittlerweile auch Bafang oder Bosch montiert.

Mountainbikes mit Motoren

Mit der schwä­bischen Antriebslösung ist zum Beispiel das ­Cannondale Synapse Neo angetreten. Auch hier ist der Antrieb durchaus ­elegant eingebettet, doch stellt er zugleich unverblümter als frühere E-Renner die Schummeltechnik zur Schau.

Die Diskussion über Sinn oder Unsinn einer E-Unterstützung hat sich bei den Mountainbikes längst erübrigt. Hier ­haben elektrifizierte Modelle, vor allem im gehobenen Preissegment, bereits die Vorherrschaft übernommen.

Für einen Premium-Hersteller wie Rotwild ist nach Aussage des Marketing-Verantwortlichen Ole Wittrock das ­E-Mountainbike „nicht mehr wegzudenken“. Ob dem elektrisch unterstützten Rennrad eine ähnlich steile Karriere ­bevorsteht oder ob es eher Nischenprodukt sein wird, bleibt abzuwarten.

Antriebssysteme immer innovativer

Neben der Diversifizierung der ­E-Bike-Typen wächst auch die Zahl der Antriebssysteme, die mit zum Teil interessanten Innovationen ein Stück vom wachsenden Kuchen sichern ­sollen. Ein spannendes Beispiel hierfür ­bietet Kervelo aus Frankreich mit dem Quartz genannten 48-Volt–Antrieb, der in seinem kompakten Motorgehäuse ein 12-Gang-Planetengetriebe integriert.

Dem Pedelec-Boom kann sich kaum noch ein Fahrradhersteller entziehen. Selbst Marken, die bislang dem E-Bike die kalte Schulter zeigten, hat die große Nachfrage zum Umdenken genötigt. Unter anderem steigt 2019 die Berliner Edelschmiede Schindelhauer, die bislang ausschließlich konventionelle ­Räder baute, gleich mit einer ganzen ­E-Bike-Familie aus zum Teil recht unterschiedlichen Typen und Konzepten ein.

Auch die Traditionsmarke ­Rabeneick hat mit der sogenannten ­e-series drei Modelle – ein Urban-, Sport- und ein Trekking-Pedelec – gänzlich neu ins Programm genommen. Sogar der Klappradspezialist Brompton will nächstes Jahr sein bereits vor Jahren ­angekündigtes Versprechen einer E-Variante wahr machen.

Autohersteller weiten ihre Zweiradsparte aus

Der lukrative Markt weckt zunehmend auch die Aufmerksamkeit von Autoherstellern. So weitet die Zweiradsparte von Peugeot ihre E-Bike-Offen­sive mit neuen Trekking-, Renn- und ­City-Modellen deutlich aus. Und sogar die Old-Economy-Ikone General Motors will 2019 ins E-Bike-Business einsteigen.

Bislang gibt es ein stylishes Kompaktrad, welches am 31. Januar seinen offiziellen ­Namen erhalten soll. Ein konkreter Marktstarttermin wurde noch nicht genannt. Ein weiterer Autoriese, der ins Velo-Geschäft einsteigt, ist VW: In diesem Jahr soll die Produktion eines ­Cargo-Bikes anlaufen, das als Clou eine Kinematik bietet, die auch in Kurven das Transportgut in Position hält.

Ohnehin, Lastenräder: Auch hier dürften die Absatzzahlen weiter steigen. Laut Eurobike wurden 2017 schon 15.000 dieser meist unhandlichen Nutzfahrzeuge abgesetzt. Auch Lastenrad-Sharing-Anbieter wie Donk-EE aus Köln vermelden steigende Zahlen. Ohne Motor geht hier freilich nichts mehr.

Lastenräder profitieren von dem Pedelec-Antrieb

Das hat unter ­anderem die junge Marke Muli Cycles erkannt und das e-Muli aufgelegt. Auch die E-Bike-Manufaktur bereitet ihr erstes E-Lastenrad für den baldigen Marktstart vor. Neben mehr technischer Raffinesse rückt auch das ­Design stärker in den Mittelpunkt.

Eindrucksvoll zeigt sich das am ­Velosled des dänischen Herstellers Coh&Co, der einen Carbonrahmen in verblüffend schicke Form gebracht hat. Ein anderer Entwicklungsschwerpunkt betrifft die Nutzlast, die in professionellen Anwendungsbereichen gerne hoch sein darf: Ziemlich hoch legt hier das A-N.T. Heavy Duty Cargo Bike die Messlatte, das sich dank innovativem Lenksystem und fast 300 Kilogramm Zuladung als interessante Alternative zum Kleinlaster empfiehlt. Ähnlich belastbar ist das Tender von Urban Arrow.

Dem Auto noch näher als Lasten­räder kommen Velo­mobile. Bisher ist keins der Auto-Fahrrad-Zwitter mit Pedelec-Antrieb im Markt, doch das soll sich zeitnah ändern. Unter anderem will demnächst die norwegische Firma Elpedal das Podbike anbieten, das zum Preis von rund 5500 Euro mit Kabine Ganzjahresfahrer begeistern soll.

Es gibt einen Audi A4 mit Pedelec-Antrieb

Ebenfalls aus Norwegen kommt CityQ mit einem vierrädrigen überdachten Stadtmobil für die Kleinfamilie. Auch der Deutsche Jonas Kremer kündigte an, mit dem Citkar Loadster einen Mini-Lkw mit Fahrgastkabine und Pedelec-Antrieb in den Markt zu bringen. Das Kettcar für Kleinlogistik soll gut 7000 Euro kosten.

Mittlerweile gibt es auch den umgekehrten Fall, ein Auto näherte sich technisch dem E-Bike an. Die holländische Firma BPO pflanzte einem Audi A4 einen Pedelec-Antrieb ein. Beim dem Fitcar PPV genannten Projekt ersetzt dieser die Pedale für Kupplung, Gas und Bremse.

Wer strampelt, übermittelt den Beschleunigungswunsch. BPO hat angekündigt, in naher Zukunft für den umgebauten A4 Avant in Holland eine EU-Typenzulassung zu beantragen.