Premiere

Wie ein Polo für die Pampa – Der neue T-Cross von Volkswagen

Mit dem T-Cross forciert Volkswagen seine weltweite SUV-Offensive. Der kleine Geländewagen ist aber eher was für Großstadtbewohner.

Der neue T-Cross von Volkswagen startet bei einem Grundpreis von 17.975 Euro.

Der neue T-Cross von Volkswagen startet bei einem Grundpreis von 17.975 Euro.

Foto: Werk / sps

Wolfsburg.  Es hat ein bisschen gedauert, doch jetzt hat endlich auch VW eine Antwort auf den Boom der kleinen Geländewagen gefunden und bringt im Frühjahr gegen Renault Captur & Co. den neuen T-Cross in Stellung. Als Polo für die Pampa soll er seinen Beitrag dazu leisten, dass der Anteil der SUV im VW-Absatz bald bei 50 Prozent liegt – und dass damit auch der Umsatz steigt. Denn mit einem Grundpreis von 17.975 Euro liegt der T-Cross rund 700 Euro über dem Polo mit identischer Motorisierung.

Im Ringen gegen den Rückstand setzt VW vor allem auf die inneren Werte. Zur ohnehin schon erhöhten Sitzposition gibt es eine gehörige Portion Variabilität: So lässt sich der Beifahrersitz serienmäßig flach legen und die Rückbank gegen Aufpreis um 14 Zentimeter verschieben. Bei 4,11 Meter Länge und 2,56 Meter Radstand können zwei Erwachsene zumindest kurz im Fond mitfahren, oder der T-Cross wird mit 385 oder 455 bis 1281 Liter Ladevolumen zu einer Weiterentwicklung des Polo Variant.

Selbst dem zwölf Zentimeter längeren aber sehr viel sportlicher geschnittenen T-Roc steht er in kaum etwas nach. Länger und bulliger als der Polo

Überraschender als der Sinn fürs Alltägliche ist allerdings das Modebewusstsein, das VW diesmal an den Tag legt. Denn während der Polo wenig aufregend ist, treibt es der T-Cross ungewöhnlich bunt. Farbige Felgen, zwölf Lacktöne im Fächer, Kontrast-Lackierungen und auffällige Klebetattoos sollen ihn zum Blickfang machen, sagt Designchef Klaus Bischoff.

Er war auch bei der Form etwas frecher als beim Polo: Der T-Cross ist fünf Zentimeter länger und bulliger als der Polo, hat einen Grill, der mit den Scheinwerfern verschmilzt, sowie auffällige Rückleuchten, die mit einem roten Reflektorband verbunden sind. Innen geht es mit der Farbenfreude munter weiter. Es gibt knallige Konsolen rund um das auf Wunsch digitale Cockpit mit dem großen Touchscreen daneben, freche Sitzbezüge und bunte Nähte.

So erfrischend farbig und alltagstauglich der kleine Geländegänger ist, so wenig Überraschungen erlebt man beim Fahren. Achsen, Lenkung und Antriebe sind identisch mit dem Polo, und so fühlte sich der T-Cross bei der ersten Ausfahrt mit den ziemlich finalen Prototypen auch an: gutmütig, erwachsen und ein kleines bisschen langweilig. Zumindest mit den aktuellen Motoren, die vom Dreizylinder mit 1,0 Liter Hubraum und 95 oder 115 PS bis zum Vier­zylinder mit 1,5 Litern und 150 PS reichen und zunächst nur einen 1,6-Liter-Diesel mit 150 PS umfassen.

Neuheiten auch bei Touareg und Tiguan

Dazu gibt es später je nach Kundenwunsch und CO2-Vorgaben womöglich noch eine Erdgasvariante und vielleicht auch einen GTI, doch eine Option werden die Niedersachsen nicht anbieten: Allrad. Als erstes SUV aus Wolfsburg muss der T-Cross mit Frontantrieb auskommen. „Das ist auf der A0-Plattform nicht vorgesehen und wäre im Preisrahmen nicht darstellbar gewesen“, sagt Baugruppenleiter An­dreas Krüger und hält das nicht für einen Nachteil.

Denn Allrad fehlt auch bei den meisten Konkurrenten wie dem so erfolgreichem Renault Captur, dem Peugeot 2008 sowie dem Seat Arona. Zudem spielt sich das Abenteuer für SUV dieser Sorte ohnehin die meiste Zeit in der Stadt ab, wo die Straßen alle asphaltiert und im Winter geräumt sind.

Kurz vor der Premiere des ­T-Cross ist der neue Touareg auf den Markt gekommen, der im marokkanischen Atlas-Gebirge auf seine Geländegängigkeit getestet und für gut befunden wurde. Ab 60.000 Euro bekommt der Kunde ein Edel-SUV, das sich durch ein extra Offroad-Paket auch abseits ausgebauter Straßen gut fahren lässt. Dank Allradlenkung kann man das Fünf-Meter-Schiff leicht durch enge Kehren führen, die Luftfederung bügelt Unebenheiten weg und lässt den Zwei-Tonnen-VW gleichsam schweben.

SUV, wohin man blickt

Selbst eine Flussquerung ist durch die Luftfederung möglich, da diese das SUV um sieben Zentimeter liften kann. Allerdings sollte das Wasser im Flussbett nicht höher als 25 Zentimeter sein! Die beiden derzeit lieferbaren V6-Dreiliter-Diesel-Varianten (170 kW/231 PS bzw. 210 kW/286 PS) sind nach neuer Norm zertifiziert und somit nicht von drohenden Fahrverboten betroffen.

Ein echter Allrounder ist mittlerweile auch der Tiguan. In der neuen Variante Offroad verfügt das Kompakt-SUV über eine speziell gestaltete Front mit vergrößertem Böschungswinkel, einen Unterfahrschutz und Allradantrieb mit Geländefahrprogrammen. Zu den äußerlichen Erkennungsmerkmalen zählen unter anderem geschwärzte Chromzierleisten, schwarze Außenspiegelkappen und 18-Zoll-Felgen. Zur Markteinführung ist einzig ein 110 kW/150 PS starker 2,0-Liter-Diesel in Kombination mit Doppelkupplungsgetriebe und Allradtechnik zu haben. Die Preise starten bei 40.925 Euro. Weitere Antriebsvarianten sollen folgen.

SUV, wohin man blickt. Bei VW heißt es, dieses Segment werde seine Zulassungszahlen binnen zehn Jahren verdoppeln. Derzeit ist laut Markenchef Ralf Brandstätter schon jeder fünfte verkaufte VW ein SUV, in Europa jeder vierte. Damit ist die Entwicklung nicht am Ende: „Für 2025 erwarten wir, dass weltweit jeder zweite neue VW ein SUV ist“, sagt Brandstätter.

Dann spielt auch schon der I.D.Cross mit, das Kompakt-SUV mit Elektromotor, das für 2022 geplant ist. Für die Ingenieure des T-Cross waren Hybrid- und Elektrovarianten indes kein Thema. Damit würde ein Kleinwagen noch viel zu teuer.