Testfahrt

Der Reiz des Weglassens: BMW hat sein Coupé X4 überarbeitet

BMWs neuer SUV X4 folgt der Coupé-Regel: Mehr Geld für weniger Auto ausgeben, dafür ein Plus an Ästhetik und Exklusivität erhalten.

Der neue BMW X4 kommt zu Preisen zwischen 49.700 und 70.900 Euro auf den Markt.

Der neue BMW X4 kommt zu Preisen zwischen 49.700 und 70.900 Euro auf den Markt.

Foto: -- / Werk

München.  Nach nur vier Jahren legt BMW sein Mittelklasse-SUV-Coupé neu auf. Tatsächlich hat es recht lange gedauert, ehe die Bayern dem seit 2010 gebauten Vorgänger X3 das Coupé zur Seite gestellt haben. In Zeiten des SUV-Booms wartet man nicht mehr so lange und kommt rund ein Jahr nach X3-Debüt mit dem dazugehörigen X4 um die Ecke.

Coupé bedeutet in dem Fall übrigens gleichermaßen vier Türen, damit der Nutzwert erhalten bleibt – neues Design und deutlich abfallende Dach­linie zeigen sportliche Andersartigkeit. Die stärker ausgeprägte Eigen­ständigkeit ist BMW offenbar wichtig.

Je nach Motor rufen die Bayern Preise zwischen 49.700 und 70.900 Euro (185 bis 354 PS) auf und rangieren mit dem X4 je nach Konstellation zwischen 2200 und 5100 Euro über der Brot- und Butter-Variante X3. Jedoch rollt der X4 stets in der „Advantage“-Linie an, zu deren Rüstzeug beispielsweise eine variable Lenkübersetzung gehört.

Allradantrieb bei allen Ausführungen gesetzt

Für erste Ausfahrten hat BMW die beiden Versionen xDrive30i zum Grundpreis von 56.300 Euro sowie M40d (70.900 Euro) mitgebracht. Allrad­antrieb ist gesetzt bei allen Ausführungen – auf typisches Gelände-Rüstzeug wie mechanische Differenzialsperren oder eine kürzere Untersetzung wird naturgemäß verzichtet in diesem Segment. Beim 30i handelt es sich trotz der ansehnlichen Leistung von 252 PS um den bereits länger eingesetzten Zweiliter-Vierzylinder. In puncto Performance tut ihm das keinen Abbruch.

Der elegant gezeichnete Mittelklässler beschleunigt auf Gaspedalbefehl nachdrücklich und souverän, legt durchweg sportliche Allüren an den Tag. Die vom Werk versprochenen 6,3 Sekunden bis Landstraßentempo nimmt man ihm durchaus ab. Ob das Verbrauchsversprechen (7,3 Liter je 100 Kilometer gemittelt) eingehalten wird, muss sich noch zeigen. Klar ist aber, dass der Vierzylinder akustisch identifizierbar bleibt, wenngleich er angemessen kultiviert läuft und hinreichend leise ist. Wer sechs Töpfe will, muss leider zur teuren M-Variante greifen.

Gute Figur auch auf der Landstraße und in Kurven

Eine erste Kostprobe gibt es von ihr als Selbstzünder-Version. Die soll mit 6,6 Litern je 100 Kilometer gemittelt nämlich ein attraktives Verhältnis zwischen Leistung (326 PS) und Kraftstoffverbrauch aufweisen. Dass der drei Liter große Sechszylinder so richtig wild ist, kristallisiert sich bereits auf den ersten Metern heraus. Nach einer minimalen Anfahrschwäche bolzt der M40d los. Wenn fast 700 Nm über den Antriebsstrang herfallen, freut man sich über obligatorischen Allradantrieb.

Und trotz kopflastiger Tendenz mit dem schweren Diesel auf der Vorderachse macht der Bayer auch auf der kurvigen Landstraße eine gute Figur. Er wieselt behände um Kehren, wirkt leichtfüßig. Die Vierrad-Lenkung hilft dabei und hat in der Stadt den Vorteil eines kleineren Wendekreises. Um die drahtigen Ambitionen bei forcierter Gangart zu untermauern, verstärken die Akustiker im Sportmodus den Motorsound, verfälschen ihn aber zum Glück nicht mit künstlichem V8-Getöse, wie das manche Wettbewerber handhaben. Der M40d verfügt über einen klassischen Reihensechszylinder, und der soll auch so klingen.

Kommode Sitze in sportlicher Machart

Innen erwarten den Passagier kommode Sitze in sportlicher Machart – selbst bei der Basis. Damit sind gute Voraussetzungen geschaffen, ein bisschen dynamischer unterwegs zu sein, womit man bei der X4-Klientel offenbar rechnet. Am Seitenhalt soll es jedenfalls nicht scheitern. Übersicht­liche Instrumente der aktuellen Gene­ration geben Aufschluss über Geschwindigkeit und Drehzahl – es bleibt bei ­mechanischen Anzeigenadeln plus Teilfläche als Display ausgeführt.

Das Kombiinstrument in Volldisplay-Ausführung ist bei BMW jedoch im ­Anmarsch, wie die kommende 8er-Generation zeigt, gleichwohl ist die ­Lösung hier im X4 keineswegs unattraktiv. Und generell ist das Infotainment-Level ansehnlich: Die neueste Generation verfügt selbstredend über einen großen Touchscreen. Der muss aufgrund komplexer Funktionalitäten zwar immer erst eine Zeit lang durchforstet werden, bevor sich der Neuling mit allen Menü-Ebenen auskennt. Aber die Bedienung gelingt intuitiv. Für das farbenprächtige und detailliert arbeitende Head-up-Display werden 980 Euro extra fällig.

Guter Kompromiss zwischen Komfort und Sportlichkeit

Wer mit den X4-Preisen grundsätzlich zurechtkommt, erhält ein elegantes Langstrecken-Fahrzeug mit einem ausgewogenen Fahrwerk, das einen guten Kompromiss zwischen komfortabler Auslegung und sportlichen Werten liefert (vor allem bei der 600 Euro teuren, adaptiven Lösung). Dass sich der Fond des viertürigen SUV-Coupés wegen der Dachlinie minimal beschwerlicher entern lässt, dürften die Interessenten verschmerzen, zumal die Passagiere in der zweiten Reihe nicht über mangelnde Beinfreiheit schimpfen werden – die ist dank fünf Zentimeter längeren Radstandes gegenüber dem Vorgänger reichlich vorhanden.

Allein beim Gepäckraumvolumen (1430 Liter maximal) ist der X4 merklich eingeschränkt und bietet 170 Liter weniger als sein Bruder X3. Doch der Kunde kann ja zum Glück selbst entscheiden, ob ihm weniger Auto etwas mehr wert ist.

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