Brennstoffzelle

Honda FCX Clarity – Autofahren ohne Tankstellen

Techniker träumen von Wasserstoff als Treibstoff. Doch wo soll die Infrastruktur herkommen? Eine Testfahrt auf der Suche nach Zapfsäulen.

Eine Million Elektrofahrzeuge sollen im Jahr 2020 die Straßen der Republik befahren, diesen Wert haben Politiker vorgegeben. Auch Autos, die ihre Energie durch eine Brennstoffzelle beziehen, würden dabei mitgerechnet werden. Denn in der entsteht Strom aus Sauerstoff und Wasserstoff, als einziger Rückstand bleibt Wasserdampf dabei übrig. Eine schöne Vision. Doch es ist nicht damit zu rechnen, dass solche Wagen im Jahr 2020 fahren. Und das liegt vor allem am Tankstellennetz für Wasserstoff, wie nicht zuletzt eine Probefahrt mit dem Honda FCX Clarity zeigt, einem Auto mit Brennstoffzelle.

Gebaut wird der Clarity schon seit 2008. Insgesamt gibt es aber nur 46 Stück – weltweit. Davon fahren 30 in den USA, 14 in Japan und zwei in Europa. Stationiert sind letztere im europäischen Forschungs- und Entwicklungszentrum von Honda in Offenbach. In den USA und Japan könnte man den Clarity sogar leasen. Subventioniert, kein Wunder, bei einem geschätzten Stückpreis von einer Million Euro.

Dabei sieht der Wagen aus, als könnte er hunderttausendfach fahren: Dass es sich beim FCX Clarity um ein Brennstoffzellen-Fahrzeug handelt, ist nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Zwar würde die 4,84 Meter lange Mittelklasse-Limousine vermutlich keinen Designpreis gewinnen, aber schlecht sieht sie nicht aus. Auch das Interieur schreckt nicht ab. Viel Platz für vier Personen ist der erste Eindruck.

Thomas Brachmann, Leiter elektrische Antriebs- und Brennstoffzellenentwicklung im europäischen Entwicklungs- und Forschungszentrum von Honda, erklärt, dass der Innenraum von den Fortschritten der Brennstoffzellentechnik profitiert. Im Vergleich zur vorherigen FCX-Generation ist die Brennstoffzelleneinheit nur noch halb so groß und schwer, so dass sie nun problemlos unter der Mittelkonsole untergebracht werden kann. Einzig der Tank, der vier Kilogramm komprimierten Wasserstoff bei 350 bar Druck fasst, blockiert noch Platz im Kofferraum. Immerhin reicht das restliche Gepäckvolumen, um zwei Koffer oder größere Taschen zu verstauen.

Und wie fährt es sich mit Brennstoffzelle? Schlüssel umdrehen, Startknopf drücken und erst einmal auf die Anzeige schauen, ob alles betriebsbereit ist. Aufs Gehör sollte man sich nicht verlassen. Logisch, treibt doch die gewonnene Energie aus der Brennstoffzelle einen leisen Elektromotor an. Wenn das Display zeigt, dass alles in Ordnung ist, dann die etwas hakelige Automatik-Schaltung auf D stellen, und schon geht es los. Und zwar mit Vehemenz. Die Leistung beträgt 136 PS, das Drehmoment von 256 Nm steht ab der ersten Umdrehung bereit. Typisch Elektromotor.

Laut Brachmann darf der Honda ruhig flott gefahren werden. Allerdings sollte man beim Beschleunigen darauf achten, dass kein Motorradfahrer hinterher fährt. Gerade nach längerem Stillstand kann sich im Auspuff das Emissionsprodukt Wasser sammeln. Bis zu 100 Milliliter können so auf einen Schlag versprüht werden. „Eine Brennstoffzelle will Kilometer machen“, führt er weiter aus. „Eigentlich ist die Technik ideal für Vielfahrer.“

Wenn da nicht das Problem mit der Reichweite wäre. Für den FCX Clarity gibt Honda 480 Kilometer an. Theoretisch. Doch wenn Klimaanlage oder Heizung auf vollen Touren laufen, sinkt der Wert schnell. Das liegt nicht zuletzt am Drucktank. Während GM, Daimler und Toyota bei ihren Versuchsträgern schon auf 700 bar-Tanks gewechselt sind, setzt Honda noch auf den halben Druck, weshalb weniger Treibstoff in den Tank passt. In der Praxis ist deshalb für den FCX Clarity nach 350 Kilometern ein Stopp an der Tankstelle fällig. Äh... Welcher Tankstelle?

Denn exakt sieben öffentliche Wasserstoff-Tankstellen gibt es aktuell in Deutschland, eine davon im Rhein-Main-Gebiet, wo wir mit dem Honda unterwegs sind. Selbst wenn im nächsten Jahr fünf weitere Tankstellen dazu kommen, ist das Netz noch viel zu dünn. Das reicht bestenfalls für Demo-Fahrten rund um die Metropolregionen. Zurzeit kostet ein Kilogramm Wasserstoff rund zehn Euro. Damit kommt man rund 85 Kilometer weit. Das wiederum wäre recht wirtschaftlich.

Das Tanken selbst wiederum ist anders als bei Benzin, aber fast genau so, wie bei Erd- oder LPG-Gas: Der Tankstutzen wird an der Zapfsäule entsichert, auf den Fahrzeugtank gesetzt und verschlossen. Dann einen Knopf drücken und die Betankung erfolgt automatisch. Danach geht es zurück nach Offenbach. Denn Honda will den FCX Clarity einem französischen Energieunternehmen zeigen. Nach Paris fährt der Wagen auf einem Hänger. Denn eine Tankstelle gibt es nicht auf dem Weg.