Italienischer Exportschlager

Welterfolg Fiat 124 ist heute russisches Volksauto

Heute ist der Fiat 124 fast vergessen. Zu seiner Zeit aber war er auch als Lada erfolgreich – und ein Vorbild in vielen Ländern mit Millionen verkaufter Modelle.

Äußerlich macht der Fiat 124 nicht viel her. Doch die Mittelklassebaureihe gehört zu den ersten Kosmopoliten. Rund um den Globus wurde die Limousine und der Kombi in Lizenz nachgebaut. Spanien, Russland und Indien setzten auf den technisch soliden Italiener.

Der russische Volkswagen

Bis heute in Produktion ist das russische Volksauto Lada 2107 erfolgreich, das 2010 erneut Platz eins der russischen Zulassungscharts belegte. Seit dem Serienstart vor 41 Jahren liefen im von Fiat errichteten Werk Togliatti bereits über 17,5 Millionen Einheiten des preiswerten und dank dickerer Stahlbleche robusten Lada vom Band.

Damit ist der Fiat 124 (mit seinen Ablegern) nach dem VW Käfer das zweitmeistproduzierte Fahrzeug aller Zeiten mit weitgehend unverändertem Karosseriedesign.

Premiere feierte der Typ 124 auf dem Genfer Salon 1966. Mit ihm sollte die Internationalisierung des italienischen Industriegiganten Fiat vorangetrieben werden – und dazu passten seine Linien und die Technik, die zeitlos und schlicht waren.

Schon im August 1966 schloss Fiat ein Kooperationsabkommen mit der sowjetischen Regierung über den Bau eines Automobilwerks mit einem Ausstoß von 600.000 Pkw jährlich: Es war die Geburtsstunde der noch heute produzierten Lada-Modelle vom Typ 2107 und damit der ersten internationalen Version des Fiat 124.

In Westeuropa wurde die neue Fiat-Mittelklasse zwar zunächst bisweilen nur als Nachfolger des kleineren Typs 1100 angesehen, das verhinderte aber nicht ihren Aufstieg zum Bestseller.

Mit einem hochmodernen, fünffach gelagerten 1,2-Liter-Vierzylinder, großzügig gestaltetem Interieur und sportlichen Fahrleistungen waren die kompakten Viertürer so begehrenswert, dass die Tagesproduktion schon im Herbst 1966 auf 600 Einheiten stieg.

Kombi, Coupé und Spider folgten bald

Großer Beliebtheit erfreute sich auch der im Winter 1966/67 nachgeschobene Kombi 124 Familiare.

Schließlich machten die ebenso formschönen wie exklusiven Sport Coupés und Sport Spider die 124-Baureihe besonders beliebt in der immer dichter besetzteren europäischen Mittelklasse. Noch populärer waren zu ihrer Zeit die sportlich-scharfen Special-Versionen des Fiat 124 mit bis zu 95 PS.

Ganz andere Schwerpunkte wurden bei den Abkömmlingen des Fiat 124 gesetzt, allen voran der russischen Lada/Shiguli. Die Blechstärke der Karosserie wurde erhöht, das Fahrwerk mit mehr Bodenfreiheit ausgestattet, die Heizungsleistung verbessert und der Zylinderkopf auf qualtitativ schlechteres Benzin ausgelegt.

Die Lebensdauer bis zur ersten Generalüberholung des Fiat-124-Ablegers sollte der Strecke entsprechen, die mit zehn Fahrten Moskau-Wladiwostok und zurück vergleichbar ist, also 200.000 Kilometer.

Ein Ziel, dass das russische Volksauto zumindest in seiner Heimat erreichte.

Schon 1968 stellte Seat die spanische Version des Fiat 124 vor. Nicht nur zahlreiche Rallyeeinsätze des Viertürers zeugten davon, der leistungsgestärkte Seat 1430 genoss schon bald ein sportliches Image wie ein Alfa.

Korea, die Türkei und Indien werden erobert

In Korea ging der Fiat 124 im Jahr 1970 bei Asia-Motors in Produktion und im türkischen Bursa startete ein Jahr später die Fertigung des Tofas-Murat 124.

Im Jahr 1986, elf Jahre nach Einstellung des Ur-Fiat 124, eroberte dessen jüngster Sohn die indische Mittelklasse unter der Marke Premier 118.

Bei Fiat hatte da schon längst der Nachfolger des Nachfolgers vom Fiat 124 die Rolle des Mittelklassebestsellers übernommen.