500-PS-Porsche

Der neue 911er gehorcht sogar dem kleinen Finger

Nur Kenner verlieren bei Porsche nicht den Überblick. Cabrio, Coupé, Targa, Turbo – die Vielfalt kann verwirren. Für Liebhaber ist das einfacher, denn die meisten erkennen sowieso nur den 911 Turbo als wahrhaftig an. Und der hat nun erstmals seit 35 Jahren einen neuen Motor bekommen. Ein Fahrbericht.

Kaum ein Hersteller fächert seine Modellpalette feiner auf als Porsche. Doch für die echten Fans des Dauerbrenners 911 ist das alles Augenwischerei. Denn der einzig wahre Elfer ist für sie der Turbo. Schließlich steht kein anderer Porsche den Spagat zwischen Büro und Boxengasse besser als der aufgeladene Sechszylinder: Montags bis Freitags der brave Gleiter für den Pendler, und am Wochenende der böse Bolide für den PS-Fanatiker. „Mit keinem anderen Auto geht das so gut wie mit unserem Turbo“, sagt Baureihenchef August Achleitner.

Nachdem in den letzten zwölf Monaten schon alle anderen Spielarten des Sportwagens überarbeitet wurden, kommt nun Ende November mächtig aufgefrischte Turbo in den Handel. Zwar sieht er von außen fast so aus wie der alte. Doch sind Änderungen unter dem Blech so weitreichend, dass Porsche selbst von einem kleinen Generationswechsel spricht.

Zwar wird der jüngste 911er noch einmal stärker als früher, verbraucht künftig aber je nach Karosserie- und Getriebevariante bis zu 20 Prozent weniger. Möglich macht das ein erstmals seit 35 Jahren völlig neu entwickelter Motor: Der 3,8 Liter große Sechszylinder bleibt der Boxertechnik treu, wird nun aber mit Benzindirekteinspritzung aufgerüstet und kommt so auf exakt 500 PS. Weil es auf Wunsch zudem die siebenstufige Doppelkupplung gibt, geht der Verbrauch um etwa zwei Liter zurück und liegt bei 11,4 bis 11,7 Litern. Das ist noch immer stattlich, doch auf dem wichtigen US-Markt kommen die Schwaben so erstmals um die "Gas-Guzzler“-Strafsteuer für besonders durstige Autos herum.

Weil im besten und natürlich auch teuersten Fall mit dem optionalen Sport-Chrono-Paket nun kurzfristig bis zu 700 Nm abgerufen werden können, schafft der Turbo den Sprint auf Tempo 100 jetzt in 3,4 Sekunden und beschleunigt danach munter weiter bis auf 312 km/h. Das hilft nicht nur auf Rennstrecken, sondern insbesondere im Alltag auf Autobahn und Landstraßen – denn wo andere noch nach einer ausreichend großen Lücke suchen, wischt der Turbo in zwei Wimpernschlägen an allen Spaßbremsen vorbei.

Obwohl dieser Elfer Kraft hat wie ein Rennwagen, kann man ihn dabei förmlich mit dem kleinen Finger fahren: Auf der Nordschleife wird er sicher einen starren Blick und eine feste Hand fordern. Aber Schwarzwald oder Lüneburger Heide durchmisst er bei aller Eile mit der großen Gelassenheit dessen, der um seine Kraftreserven weiß. So ruht man ganz entspannt in den trotz ordentlichen Seitenhalts überraschend komfortablen Ledersitzen und lässt sich vom neu abgestimmten Fahrwerk mit wohligem Sanftmut auch über böse Bodenwellen tragen.

Auch wenn das Gros der Modellpflege der Antriebstechnik galt, haben auch die Designer dem Treiben nicht tastenlos zugesehen: Zumindest Kenner können das neue vom alten Modell deshalb an ein wenig frischer Schminke für Scheinwerfer, Rückleuchten und Karosserieschürzen erkennen. Das ist auch nötig. Schließlich schlägt Porsche rund 3.000 Euro auf und verlangt nun 145.871 Euro für das Coupé und 157.057 Euro für das Cabrio.