Limousine Kizashi

Suzuki macht jetzt auf vornehm, aber nur äußerlich

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Thomas Geiger

Seit Anfang des Jahres ist die Kooperation zwischen Volkswagen und Suzuki perfekt. Nun bringen die Japaner erstmals eine Familienlimousine auf den Markt.

Mit Kleinwagen, da kennt sich Suzuki aus. Doch Swift und Alto sind den Japanern nicht mehr genug: „Wir wollen unseren Kunden die Möglichkeit geben, mit der Marke zu wachsen“, sagt Minoru Amano, der Chef von Suzuki Europe in Heppenheim und lenkt den Blick auf den neuen Kizashi. Bislang war in Sachen Größe beim SX4 Stufenheck und dem Geländewagen Grand Vitara Schluss war, spielt der Kizashi erstmals mitten in der Mittelklasse - selbst eine Mercedes C-Klasse ist ein paar Zentimeter kürzer. Damit folgen die Japaner ganz gegen den Trend zum Downsizing angeblich den Wünschen von Händlern und Kunden: „Wir wurden zuletzt immer wieder nach einer Familien- und Reiselimousine gefragt“, sagt Amano.

Der Wagen wird schon seit dem letzten Jahr in Japan und Amerika angeboten, bei uns kommt im Herbst zu den Händlern. Mit 4,65 Metern Länge und 2,80 Metern Radstand ist der Kizashi tatsächlich eine stattliche Erscheinung. Nicht umsonst übersetzt Suzuki den Namen mit „etwas Großartiges kommt“.

Von außen gibt der Viertürer dabei den knackigen Sportler: Das sichtlich vom VW Jetta inspirierte Gesicht mit dem großen Grill und dem breiten Grinsen drängt sich aggressiv in den Rückspiegel des Vordermanns, die Silhouette wirkt kräftig und kompakt, und das kurze Stufenheck ist eine gelungene Mischung aus Dreier BMW und Citroen C5.

Innen dagegen bietet Suzuki nur biedere Hausmannskost: Zwar hat man vorne bequem Platz und hinten noch immer mehr Beinfreiheit als in jedem anderen Auto des Herstellers, und auch der Kofferraum ist mit 461 Litern mehr als ordentlich bemessen. Doch wirkt das Ambiente austauschbar und billig.

Wo die Konkurrenz auf vornehmen Klavierlack und liebevolle Details setzt, sieht man im Kizashi viel billiges Plastik, lustlos verteilte Zierkonsolen und Instrumente, denen jede Inspiration fehlt. Da sind selbst der sportliche Startknopf für das schlüssellose Zugangssystem, die sieben Airbags, das halbe Dutzend elektrischer Helfer und die soundgewaltige Musikanlage mit den dicken Bassboxen nur ein schwacher Trost.

In Fahrt bringt den Kizashi ein Motor, der auf dem Papier fast so gut zum sportlichen Anspruch passt, wie der 300 PS starke V6 mit 3,6 Litern Hubraum, den die Japaner vor drei Jahren in die erste Kizashi-Studie geschraubt haben. Denn auch mit 2,4 Litern Hubraum, vier Zylindern und 178 PS fährt die Limousine an der Spitze des Segments.

Auf der Straße allerdings wird er wohl meist hinterher fahren, weil von der üppigen Leistung und den maximal 230 Nm Drehmoment kaum etwas an den Vorderrädern ankommt. Beim Ampelspurt noch halbwegs flott unterwegs und in gut acht Sekunden auf Tempo 100, kommt der stolze 1,6 Tonnen schwere Kizashi auf dem Highway nur langsam auf Touren und will mit hohen Drehzahlen ordentlich bei Laune gehalten werden.

Immer wieder muss man aus dem sechsten Gang zurückschalten, wenn man am Berg nicht zurückfallen will. So dürfte die Höchstgeschwindigkeit von knapp über 200 km/h fast schon zur Geduldsprobe werden. Und wenn Anfang nächsten Jahres die Allradversion mit stufenloser Automatik kommt, wird sich das kaum bessern.

Auch der Verbrauch ist kein ruhmreiches Kapitel. Der Normwert von 7,9 Litern ist schon üppig, wurde aber im Praxistest bei gemütlichen Touren auf amerikanischen Landstraßen deutlich überschritten. Ein Start-Stopp-System oder die Kombination von Turbo und Direkteinspritzer könnten da helfen.

Ausgesprochen gut gelungen ist den Japanern dagegen das Fahrwerk. Da merkt man keine Spur von der sonst bei Autos für den US-Markt üblichen Beliebigkeit. Im Gegenteil: Nach dem Feinschliff auf der Autobahn und der Nordschleife liegt der Kizashi stramm auf der Straße, hat eine angenehm direkte Lenkung und Bremsen mit Biss. So lässt er sich flott durch die Kurven treiben, hält stabil seine Spur und federt trotzdem ohne Bocksprünge über die fiesen Fugen, die man allerorts auf den US-Highways findet.

Natürlich weiß auch Suzuki, dass es in dieser Fahrzeugklasse nicht leicht werden dürfte. Schließlich hat der Kizashi ebenso prominente wie erfolgreiche Wettbewerber. „Wir bewegen uns vor allem im Feld der Mittelklasselimousinen von anderen Importmarken, wie zum Beispiel dem Peugeot 407, dem Seat Exeo, dem Skoda Octavia oder dem Mazda 6. Aber auch ein VW Jetta zählt zu unseren Konkurrenten“, sagt Amano und setzt vor allem auf eine umfangreiche Ausstattung für wenig Geld: „Wir werden den Kizashi in Deutschland ausschließlich in einer ‚Sportsline’ in Vollausstattung anbieten.

Das komplette Sicherheitspaket, ein 10 Millimeter tiefergelegtes Fahrwerk, Leder, Spoiler, Alufelgen, 2-Zonen-Klimaautomatik, Glasschiebedach und vieles mehr sind dann Serie“, zählt Amano auf und verspricht ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis. Ganz so billig, wie in den USA wird das Auto allerdings kaum werden: Während in Europa die Rede von 24.000 bis 26.000 Euro ist, kostet es dort nur 19.000 Dollar. Umgerechnet sind das weniger als 15.500 Euro, für die man bei uns allenfalls einen Swift bekommt.