Geländewagen

Schade, dass es beim Volvo XC60 piept

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Björn Engel

Der XC60 garantiert ein gutes Leben: sympathisch, geräumig und sparsam. Aber wehe man hat das Fahrerassistenz-System in Betrieb.

Dass einen dieser technische Krimskrams immer so erschrecken muss: Brav in der Schlange vor einer Ampel wartend, schieben sich zwei Fußgänger an der Haube des XC 60 vorbei. Ganz ruhig, ohne Hektik, alles völlig entspannt. Und was macht der Volvo? Völlig aufgeregt fängt der sonst doch so beruhigend dahinschnurrende 1,8-Tonner an zu piepsen: „Siehst du das! Vorsicht!! Da sind Fußgänger!!!“ – „Ja, glaubst du, ich bin blind oder blöd?!“, schnauze ich zurück, worauf er das Piepsen wieder einstellt.

Liebe Leute, ich weiß ja nicht, ob im dünnbesiedelten Land der Elche das Auftauchen eines Menschen immer Anlass zur Aufregung gibt – aber hier? In Deutschland? Wie auch immer: Das optionale Fahrer-Assistenzpaket (2050 Euro) samt Spurhalte- und Spurwechselassistent, Übermüdungswarnung und aktivem Tempomaten entpuppte sich wirklich als das einzige, was einen mündigen Bürger am XC 60 in den Wahnsinn treiben kann.

Dafür aber richtig. Da gondelt man locker und leicht über die fast leeren Landstraßen und nimmt dabei einmal den Mittelstreifen nicht ganz so ernst wie den Keuschheitsgürtel von Brunhilde, und, was macht der tolle Spurhalteassistent? Eben, der piept solange, bis fügsam wieder in Reih und Glied zurückkehrt wird.

Das einzige, was an diesem Fahrer-Assistenzpaket nicht gehörig die Nerven malträtierte, war der „Tempomat aktiv“. Zigmal haben wir damit Russisch Roulette für Arme gespielt – versagt hat er nie. Dieses Russisch Roulette für Arme mittels eines Volvos geht übrigens so: Entweder wartet man, bis einer auf die eigene Fahrspur zieht und dabei den Sicherheitsabstand völlig außer acht lässt. Oder man provoziert das Ganze, indem man selbst etwa auf der Autobahn direkt mit erhöhtem Tempo hinter ein anderes Fahrzeug einschert. Genial. Der Volvo bremst derart lässig und entspannt herunter, wie es mit dem eigenen Bremsfuß nicht besser ginge.

Wie überhaupt der SUV einfach nur einen megasympathischen Eindruck hinterlässt. Der 2,4-Liter-Diesel mit 175 PS schiebt selbst bei Standgas im dritten Gang noch bärig voran. Mit 7,7 Liter Testverbrauch (6,0 sind angegeben) ist man gut dabei. Hetzen will bei der komfortablen Abstimmung der Fahrwerks ohnehin keiner.

Die Sechsgangschaltung – bei 420 Newtonmeter Drehmoment nur selten im Einsatz – sollte den Beinamen „Flutschi“ erhalten, so leicht fällt der Hebel in die gewünschten Gänge. Weshalb eine Automatik ebenso wenig vermisst wurde wie der Allradantrieb, der den Verbrauch auf 100 Kilometern um etwa 1,5 Liter nach oben getrieben hätte.

Dank der relativ hohen und nicht überbreiten Reifen (235/60 auf 18-Zoll-Felgen) und des üppigen, früh einsetzenden Drehmoments zog sich der Volvo ganz ruhig aus jeder Schneewehe heraus. Ein einziges Mal – bei einem hohen Eisstreifen zwischen den linken und rechten Rädern in einer Nebenstraße – verweigerte er die Gefolgschaft und bog nicht in die gewünschte Parklücke.

Ansonsten sollte ihn nichts und niemand aus der Ruhe bringen. Außer dem Fahrerassistenz-Paket und seinen Helferlein. Dabei hätte es nur einen einzigen Grund zum Piepen gegeben: den Preis. 33.890 Euro kostet die Basis, der Testwagen war hingegen auf 49.140 Euro hochgerüstet. Und jetzt, wo bleibt ihr, ihr Piepser?