Generationswechsel

Völker, schaut auf den neuen Ford Focus!

Der neue Focus stammt aus Deutschland. Im Kölner Entwicklungszentrum haben die Ingenieure einen ernstzunehmenden Golf-Gegner gebaut. Dabei plant der Mutterkonzern mit dem neuen Hoffnungsträger global: Präsentiert auf der Automesse in Detroit, soll er von Amerika aus die ganze Welt erobern.

Mit 64.000 Neuzulassungen war der Ford Focus 2009 in Deutschland ein voller Erfolg. Geschlagen geben musste er sich nur den Platzhirschen in Golf, Astra, Audi A3 und BMW 1er. Noch erfolgreicher war Ford mit dem Fiesta. Und zwar nicht in Deutschland. Künftig soll ihm nun der Focus auf einen weltweiten Eroberungszug folgen und zu Beginn vor allem den Amerikanern Lust auf kleine Autos machen. Also enthüllt Ford die Neuauflage des Hoffnungsträgers nicht in Genf oder Frankfurt, sondern zeigt den Ur-Enkel des einstigen Escorts schon jetzt auf der Motorshow in Detroit – obwohl der Wagen erst 2011 in den Handel kommt.

Viele Angaben zu den technischen Details und zu den Abmessungen machen die Kölner zwar noch nicht. Doch braucht es gar keinen Zollstock, um dem Focus sein Wachstum anzusehen: Aus jeder Perspektive wirkt der Wagen reifer, kräftiger und dynamischer. Das Gesicht wird geprägt von scharf geschnittenen Scheinwerfern, einem schmalen Kühlerschlitz und einem riesigen Lüftergitter unterhalb des Stoßfängers. Von der Seite fallen die weit ausgestellten Radhäusern und eine markanten Sicke auf Höhe der Türgriffe auf. Und am Heck trägt der neue Focus auffällige Rückleuchten, die weit in die hohen Hüften reichen.

Dazu gibt es einen zumindest bei den Messemodellen ausgesprochen edlen Innenraum, der sich ein wenig am Fiesta orientiert, mit einem stark auf den Fahrer konzentrierten Cockpit und einem neuen Bediensystem glänzt: Ähnlich strukturiert wie das Menü eines Mobiltelefons lässt sich das Infotainment-System „MyFord“ mit einem großen Drehknopf und ein paar zusätzlichen Tasten steuern.

Unter der Haube fahren die Kölner einen rigiden Sparkurs: Noch gibt es zwar keine Motordaten. Doch weil neben den weiterentwickelten Dieseln erstmals im neuen Focus die neuen EcoBoost-Motoren mit Turboaufladung und Benzin-Direkteinspritzung zum Einsatz kommen, versprechen die Ingenieure für Diesel wie Benziner einen Verbrauchsvorteil von 10 bis 20 Prozent – und das bei gesteigerter Leistung.

Dabei helfen auch der Einsatz eines Doppelkupplungsgetriebes und die Start-Stopp-Automatik samt Rekuperation, die zumindest für die nächste Auflage des Sparmodells „Econetic“ gesetzt sind. Noch sparsamer wird der Ford Focus BEV, der als erstes serienmäßiges Elektroauto von Ford ebenfalls noch 2011 an den Start geht – allerdings erst einmal nur in Amerika.

Aber der neue Focus will nicht nur sparsamer sein als sein Vorgänger. Wie schon die ersten beiden Generationen soll auch die Neuauflage einmal mehr Maßstäbe in der Fahrdynamik setzen. Dafür gibt es gründlich ein weiterentwickeltes Fahrwerk und als Premiere in diesem Segment ein so genanntes Torque-Vectoring-System. Damit wird die Kraft zwischen den beiden vorderen Antriebsrädern elektronisch so verteilt, dass der Focus noch flotter um die Kurven fegt.

Auch sonst wird der Kompaktwagen kräftig aufgerüstet: Eine neue elektrische Servolenkung ermöglicht einen Einparkassistenten, der den Wagen halb automatisch auf den Stellplatz rangiert. Mit dem Key-Free-Schlüsselsystem bleibt der Wagenschlüssel beim Öffnen und Starten in der Hosentasche, und die Rückfahrkamera macht das Rangieren zum Kinderspiel.

Erstmals in seiner Geschichte ist der Focus als Auto für die ganze Welt konzipiert und wird dementsprechend rund um den Globus vermarktet. Und mehr noch: Auf seiner Plattform ist ein knappes Dutzend Modelle geplant. Als Vorboten des Focus kommen schon in diesem Herbst der neue C-Max und sein siebensitziger Bruder Grand C-Max. Später ist der Fünftürer geplant und für die USA und andere Überseemärkte ein schmuckes Stufenheck, der Kombi und vielleicht auch wieder ein Cabrio.

„So werden der Focus und seine Familie auf über zwei Millionen Fahrzeuge im Jahr kommen“, freut sich Ford-Deutschland-Chef Bernd Mattes, dessen Mitarbeiter im Entwicklungszentrum Köln Merkenich die Federführung bei der Entwicklung hatten. „Kein anderes Modell im Konzern wird so oft gebaut.“