Edel-Coupé

Audis neuer A7 ist etwas für reiche "Empty nester"

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Thomas Geiger

Noch braucht Audis jüngstes Kind Polizeischutz. Denn offiziell ist der weiße Wagen, der im noblen Beverly Hills zwischen Palmenalleen und Millionärsvillen zum Schaulaufen aufgefahren ist, ein Showcar ohne jede Zulassung. Eigentlich aber trägt er den Namen A7 Sportback und steht schon bald beim Händler.

Doch Achim Badstübner macht sich gar nicht mehr die Mühe, irgendwelche Gerüchte oder Vermutungen zu zerstreuen: Was im Januar noch als Concept Sportback auf der Motorshow in Detroit stand und jetzt beim Fotoshooting in der kalifornischen Sonne glänzt, kommt nächstes Jahr als A7 Sportback zu den Händlern, bestätigt der Leiter des Exterior Designs und schaut stolz der Skulptur hinterher, die sein Team da entworfen hat.

„Egal aus welcher Perspektive: Dieses Auto sieht einfach Klasse aus“, gerät Badstübner in fast schon erotischer Manier ins Schwärmen und ergötzt sich an der breiten Front mit den Scheinwerfern des neuen A8 und einem noch stolzer ausgeprägten Wappengrill, den vier Türen mit rahmenlosen Scheiben oder der wunderbar sanft geschwungenen Dachlinie. Doch sein Highlight ist die kühne Kehrseite mit einem negativen Sturz, einer Heckklappe bis in den Himmel und einem gestalterischen Kunstgriff, der alle störenden Querfugen verschwinden lässt.

Ganz genau wie das Showcar werde der A7 zwar nicht werden, muss Badstübner zugeben. Denn das durchgehende Glasdach hätte in der Produktion ebenso wenig eine Chance wie die versteckten Karosseriefugen unter der Kofferraumklappe oder die umlaufenden Blinkerbänder, die sich vollflächig um die Außenspiegel ziehen.

Doch davon einmal abgesehen, rollt hier mit 4,95 Metern Länge, 1,93 Metern Breite und nur 1,40 Metern Höhe fast schon das Serienmodell durch Hollywood, lässt der Designer durchblicken. Nicht umsonst war der Sportback schon weitgehend fertig, als sein Team die Detroit-Studie entworfen hat, um das Publikum auf die neue Idee einzustimmen.

Wer den Wagen für Preise zwischen einem ordentlich ausgestatteten A6 Avant und einem A8, also wohl für mindestens 60.000 Euro, einmal kaufen soll, hat Badstübner auch schon klar vor Augen: Vor allem die so genannten "Empty nester" sind seine Zielgruppe, bei deren Beschreibung er Worte wie „alt“ oder „Rente“ tunlichst vermeidet. Viel häufiger nennt er sie „erfahren“ oder „Genießer“: Sie haben ihren A6 Avant zu schätzen gelernt, müssen aber jetzt, wo die Kinder außer Haus sind, nicht mehr bis unters Dach stapeln. Deshalb freuen sie sich an der eleganten Linie und dem Wissen, dass sie noch immer könnten, wenn sie wollten: Denn nicht nur der Kofferraum ist groß genug, sondern anders als im A5 Sportback kann man im A7 bei 2,92 Metern Radstand tatsächlich auch hinten bequem sitzen.

Technisch wird der A7 ein kleiner Ableger des neuen Oberklasse-Audi. Er übernimmt deshalb nicht nur das neue Navigationssystem mit der ersten Touchpad-Eingabe im Auto, sondern auch die Option auf Scheinwerfer mit LED-Technik für alle Lichtarten. Und selbst die Motoren kommen zum Teil aus der Oberklasse. So fährt der A7 wohl mit den beiden V6-Benzinern mit 2,8 und 3,0 Litern Hubraum, die zwischen knapp 200 und gut 300 PS abdecken werden. Außerdem gibt es zwei Diesel mit sechs Zylindern und 2,7 oder 3,0 Litern Hubraum, die in der jüngsten Ausbaustufe auf etwa 200 und 250 PS kommen dürften. Während V8- und V10-Motoren später mit S7 und RS7 folgen könnten, sind Vierzylinder erst einmal nicht vorgesehen.

Um dennoch einen zeitgemäßen Verbrauch zu erreichen, setzt Audi trotz knapp fünf Metern Länge und ordentlich Platz im Innenraum auf konsequenten Leichtbau. Rund 100 Kilo gegenüber einem aktuellen A6 wollen die Bayern deshalb zum Beispiel durch den verstärkten Einsatz von Aluminium einsparen. Außerdem gibt es eine Start-Stopp-Automatik, Rückgewinnung der Bremsenergie sowie ein paar weitere Finessen aus dem modularen Effizienz-Baukasten. Geschaltet wird wahlweise von Hand, mit Doppelkupplung oder Multitronic und mittelfristig auch mit der neuen Achtgang-Automatik aus dem A8. Dazu gibt es wie immer Front- oder Allradantrieb und natürlich wie bei A4 und A5 das Audi-Drive-Select-Paket, mit dem Federung, Lenkung sowie die Steuerung von Getriebe und Motor auf Knopfdruck variiert werden können.

Wem die neuen Linienführung nicht gefällt und die Nische des viertürigen Coupés zu eng ist, für den hat Audi übrigens einen schönen Trost parat. Ähnlich wie seinerzeit der A5 als Vorbote des nächsten A4 lanciert wurde, wird dem A7 schon bald ein neuer A6 folgen: Spätestens Ende 2010 gibt es deshalb auch wieder eine klassische Limousine und 2011 dann den Avant.

Während Designer Badstübner noch in der kalifornischen Sonne steht und gemeinsam mit den neugierigen Sheriffs an der Straßensperre das Fotoshooting beobachtet, haben es seine Kollegen aus der Technik gerade nicht ganz so gemütlich. Nach monatelangen Testfahrten auf streng geheimen Werksgeländen starten sie in diesen Tagen mit ihren Prototypen zur finalen Erprobung durch den deutschen Dezember. Blaulicht und Geleitschutz brauchen sie dafür allerdings keinen mehr: Zwar tragen sie wie alle Erlkönige noch ihr Tarnkleid, doch über dem Stoßfänger prangt bereits das Nummernschild.