Kommentar

Lockangebot des Berliner Senats: Ein Akt der Verzweiflung

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Foto: dpa/FFS/Montage BM

Pension plus volles Gehalt: Berlin lockt Ruheständler mit einem üppigen Angebot. Das zeigt, wie groß die Not ist, meint Dominik Bath.

Berlin.  Es fehlt an Lehrerinnen und Lehrern in der deutschen Hauptstadt. Das ist wahrlich keine neue Erkenntnis. Seit Jahren werden schon mehr oder minder qualifizierte Seiteneinsteiger angeworben und dann einigermaßen tauglich für den Schuldienst gemacht. Berlin verbeamtet nun auch – wie zuvor bereits alle anderen Bundesländer – wieder. All das ist richtig – nur es genügt nicht: Zum Start in das neue Schuljahr betrug die „Lücke“ laut Bildungsverwaltung 920 Lehrkräfte.

Da ist es naheliegend, kurzfristig um Alternativen zu werben. Berlin hat dafür nun die Pensionäre in den Blick genommen und unterbreitet ihnen ein verlockendes Angebot: Wer sich dafür entscheidet, weiterhin im Schuldienst zu bleiben, soll neben dem vollen Gehalt auch die volle Pension erhalten. Angesichts der Großzügigkeit lässt sich erahnen, wie groß die Verzweiflung in der Berliner Bildungsverwaltung sein muss. Das üppige Gehaltsplus dürfte sicher den einen oder anderen pensionierten Lehrer dazu bewegen, den Schuldienst vorerst fortzusetzen. Danach aber müssen nachhaltigere Lösungen her.

Das heißt, mittel- und langfristig müssen nicht nur die finanziellen Rahmenbedingungen stimmen, um den Lehrerberuf wieder attraktiver zu machen, sondern auch der Rest. Berlin braucht also zeitgemäße Schulgebäude, die in Schuss gehalten werden müssen. Die Ausstattung in den Klassenzimmern muss stimmen. Lehrkräfte sollen auch Zeit und Chancen für Weiterbildungen erhalten. Und nicht zuletzt verdient der Lehrerberuf wieder mehr Wertschätzung. Zumindest das ist nicht nur eine staatliche Frage: Dazu können wir alle selbst einen Beitrag leisten.

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