Kommentar

Es könnte dunkel werden in Berlin

Joachim Fahrun

Wirtschaftssenator Stephan Schwarz macht mit seinen Szenarien für weniger Weihnachtsbeleuchtung alles richtig, meint Joachim Fahrun.

Berlin. Noch ist es nur ein düsteres Szenario. Niemand kann heute seriös vorhersagen, ob der Kriegsherr im Kreml tatsächlich ernst macht und auch den Deutschen den Gashahn komplett zudrehen wird. Aber auch ohne eine abgeklemmte Nordstream-Pipeline wird es ein harter Winter werden, denn so richtig will ja kaum noch jemand russisches Gas beziehen.

Bei allen Bemühungen, schnell alternative, fossile oder besser natürlich erneuerbare Energiequellen aufzutun, ist Sparen das Gebot der Stunde – und zwar nicht erst, wenn das Thermometer unter den Gefrierpunkt fällt. Angesichts des durchaus nachvollziehbaren Klagelieds vieler Wirtschaftsbranchen, die ohne eine Gaszuteilung vor dem Aus stünden, würde ich derzeit nicht darauf wetten, dass es für private Haushalte ganz ohne Opfer ausgeht. Viele Menschen werden sich aber ohnehin massiv einschränken müssen, um ihr knappes Budget vor den horrenden Preisen für Gas und auch für Strom zu schützen. 18 Grad und der dicke Pulli im Wohnzimmer werden normal sein.

Wenn nun der besonnene Berliner Wirtschaftssenator Stephan Schwarz Szenarien an die Wand malt, in denen Berlins Weihnachtsmärkte auf Lichterglanz verzichten, die Weihnachtsbeleuchtung ausgeschaltet bleibt und das beliebte Festival of Lights ausfallen könnte, dann macht er alles richtig. Immer noch scheinen viele Menschen den Ernst der Lage noch nicht verstanden zu haben und meinen, alles könne weitergehen wie bisher. Berlin und Deutschland müssen sich für die kommenden Jahre auf Energieknappheit einstellen. Putin hat nur in der Hand, ob wir diese Erfahrung als Schock machen oder ob wir ein bisschen Zeit bekommen, uns anzupassen.

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