Kommentar

Moderner Fünfkampf: Der Skandal hat etwas Gutes

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Alexandra Gross

Nach Schlägen mit der Gerte: Der Moderne Fünfkampf muss jetzt die Chance nutzen, meint Alexandra Gross.

Berlin. Die befremdlichen Bilder sorgten für Entsetzen. Die Berlinerin Annika Schleu schlägt im olympischen Wettstreit des Modernen Fünfkampfs in Tokio mit der Gerte auf ihr Pferd ein, gibt dem Tier vehement die Sporen, nachdem es sich im Spring-Parcours verweigert hatte. Der Aufschrei im Sommer 2021 war groß. Nun aber können Schleu und Bundestrainerin Kim Raisner, die ihre Athletin zusätzlich mit umstrittenen Zurufen animiert hatte, zumindest juristisch einen Schlussstrich unter den Eklat ziehen. Die Staatsanwaltschaft Potsdam stellte die Ermittlungsverfahren „wegen angeblicher Verstöße gegen das Tierschutzgesetz“ gegen Schleu und wegen „Tierquälerei bzw. Beihilfe zur Tierquälerei“ gegen Raisner ein.

Die Nachricht sorgte im Lager der Aktiven und beim Weltverband für Erleichterung. Ausruhen darf sich die Dachorganisation darauf aber keinesfalls. Die Sportart, von keinem Geringeren als Pierre de Coubertin, dem Initiator der Olympischen Spiele der Neuzeit, ins Leben gerufen, steht vor einer ungewissen Zukunft – aufgrund des Reitens.

Fünfkampf soll 2024 ohne Reiten stattfinden

Hierbei werden den Teilnehmern die Pferde zugelost. Es bleiben den Athleten nur 20 Minuten Zeit, sich mit den Vierbeinern vertraut zu machen. Eine Lotterie mit bösen Folgen. So hatte Annika Schleu in Tokio klar auf Goldkurs gelegen. Ewiger Ruhm als Olympiasiegerin war ihr fast schon gewiss – bis zur unheilvollen Verweigerung.

Damit muss Schluss sein, im Sinne der Athleten, die in einer sehr trainingsintensiven Sportart um verdiente Anerkennung und Triumphe kämpfen, aber auch im Sinne der oft überforderten Pferde. Als Folge der vehementen Kritik soll der Fünfkampf nach den Spielen 2024 in Paris ohne Reiten stattfinden. Eine Fachkommission arbeitet nun daran, die Nachfolgesportart zu finden. So hat der Skandal die Debatte befeuert – und hatte so auch etwas Gutes.