Kommentar

Bei Schulschwänzern bleiben die Lehrer gefordert

Nicole Dolif
Schulschwänzer(Symbolbild)

Schulschwänzer(Symbolbild)

Gegen Schulschwänzen hilft nur ein gemeinsames Vorgehen, kommentiert Nicole Dolif.

Berlin. Wer zu viel in der Schule fehlt, verpasst ganz schnell den Anschluss. Die Noten gehen nach unten, Erfolgserlebnisse bleiben aus – und die Lust, zur Schule zu gehen, wird jeden Tag kleiner und kleiner. Schulschwänzer geraten so ganz schnell in eine gefährliche Abwärtsspirale, die im schlimmsten Fall damit endet, dass sie die Schule ganz ohne Abschluss verlassen müssen.

Ein Szenario, das es unbedingt zu verhindern gilt. Deshalb ist es auch richtig, dass die Bildungsverwaltung für die Pädagogen an den Schulen eine neue Handreichung zum Thema Schuldistanz erarbeitet hat – ein einheitliches Vorgehen mit schärferen Maßnahmen. Vom ersten Fehltag an soll es Elterngespräche geben, auch Hausbesuche sind explizit erwünscht. Das Jugendamt soll bei Grundschülern bereits nach fünf unentschuldigten Fehltagen und bei Oberschülern nach zehn eingeschaltete werden. Das klingt nach einer drastischen Maßnahme, doch tatsächlich kann Schuldistanz ein Hinweis auf Kindeswohlgefährdung darstellen. Denn: Was ist bei einem Grundschüler zu Hause los, wenn er tagelang nicht zur Schule kommt, ohne dass seine Eltern ihn entschuldigen? Und können nicht auch bei einem Oberschüler familiäre Probleme der Grund dafür sein, dass er schwänzt?

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Gut also, da genau hinzuschauen und gemeinsam mit Eltern, Lehrern und dem Jugendamt nach Lösungen zu suchen. Das ist viel besser und nachhaltiger, als schnell ein Bußgeld zu verhängen – das ja in den allermeisten Fällen ohnehin von den Familien gar nicht aufgebracht werden kann. Oder noch schlimmer: Die Polizei bringt das Kind zur Schule. Alle Maßnahmen haben nur einen Sinn, wenn die Lehrer die Zeit finden, sich dann intensiv um die Rückkehrer zu kümmern.