Kommentar

Die Grünen umgeben sich mit neuen Farbnuancen

Die einstige Öko-Partei kämpft ums Rote Rathaus. Das zieht auch eine Änderung im Auftritt nach sich, beobachtet Jens Anker.

Superwahljahre, wie das gerade begonnene, sind auch immer Superjahre für Werbeagenturen. Viele kluge und kreative Menschen überlegen sich, wie sie die Parteien nicht nur mit griffigen Slogans versorgen, sondern auch, wie sie sie möglichst erfolgreich darstellen können. Das ist bei den Grünen nicht anders. Neuerdings präsentiert sich die Partei nicht nur in klassischem Grün, sondern es mischt sich auch etwas Rosa-Lilanes in den Wahlkampfauftritt für die anstehenden Wahlen im September.

Diese neue Farbpalette veranschaulicht den Wandel der Partei ganz gut. Die einstige Spartenpartei will inzwischen nicht nur mitregieren, wie sie es in Berlin und vielen anderen Bundesländern macht, sondern sie kämpft um das Rote Rathaus. Dieser Wandel zieht immer auch eine Änderung im Auftritt nach sich. Denn es ist etwas anderes, ob man nur die eigene Klima-Klientel ansprechen will, oder sich weiteren Bevölkerungsschichten öffnet, um am Ende einen Sieg zu erringen. In diesem Prozess befinden sich die Berliner Grünen derzeit.

Grüne haben dazu die passende Spitzenkandidatin gefunden

Mit Bettina Jarasch haben sie dazu die passende Spitzenkandidatin gefunden und das spiegelt sich auch im Wahlprogramm wider: Es ist deutlich weniger kantig und fordernd als frühere Programme und verschreckt dadurch nicht schon viele mögliche Wähler im Vorhinein. Wenn Bettina Jarasch zum Beispiel sagt, die Verkehrswende bleibe das Ziel, der Weg dorthin sei aber verhandelbar, dann entspricht das dem Kalkül, sich viele Optionen in viele Richtungen offenzuhalten. Wer weiß schon, wie es am Ende ausgeht und mit wem man sich an den Verhandlungstisch setzen muss!

Wegen der Corona-Unwägbarkeiten ist kaum eine Wahl weniger vorauszusehen als die anstehende. Daher ist es nicht die schlechteste Idee, den Wahlkampfauftakt zunächst zurückhaltender anzugehen - und sich mit neuen Farbnuancen zu umgeben.

Zum Weiterlesen:

Bettina Jarasch: Die Verschuldung hat Grenzen