Unternehmen

Frauen gehören in Vorstände

Männerbünde verhindern immer noch den Aufstieg von Frauen, meint Jens Anker.

Jens Anker

Jens Anker

Foto: Reto Klar

Es ist schon erstaunlich, wie sich große Unternehmen winden, um zu erklären, warum sie es immer noch nicht geschafft haben, eine Frau in den eigenen Vorstand zu berufen. Manager, die sonst kaum eine Gelegenheit auslassen, die eigene Großartigkeit in alle Welt hinauszuposaunen, werden plötzlich wortkarg und faserig. Man teile ja die Auffassung, dass es keine vernünftigen Gründe dafür gibt, Frauen aus den Vorständen fernzuhalten, und man wolle ja auch, aber irgendwie habe es sich in den vergangenen zehn Jahren dann doch nicht ergeben, heißt es kleinlaut.

Geradezu peinlich fallen vermeintliche Erfolgsmeldungen aus, in denen es heißt, jetzt habe es einen Beschluss gegeben, der die Besetzung eines Vorstandspostens mit einer Frau in den kommenden fünf Jahren vorsieht – wenn es sich einrichten lässt.

Frauen stoßen immer wieder an die gläserne Decke

Gerade einmal zwei von 31 börsennotierten Berliner Unternehmen haben einen Vorstandsposten mit einer Frau besetzt. Das ist im Jahr 2020 wahrlich kein Ruhmesblatt. Frauen haben die besseren Schul- und Universitätsabschlüsse, aber beim Erklimmen der Karriereleiter stoßen sie immer wieder an die oft zitierte gläserne Decke. Ab einer bestimmten Stufe geht es nicht mehr weiter.

Dass es auch anders geht, zeigen die landeseigenen Unternehmen. Hier sind seit Jahren Frauen in Spitzenpositionen vertreten. Berliner Verkehrsbetriebe und Stadtreinigung werden von Frauen geführt, bei den Wasserbetrieben und mehreren Wohnungsgesellschaften sitzen sie im Vorstand oder in der Geschäftsführung. Das sollte längst selbstverständlich sein, denn Studien zeigen, dass Unternehmen mit Frauen an der Spitze im Durchschnitt wirtschaftlich besser abschneiden als ohne sie. Es sollte also im Interesse der Aktionäre sein, mehr Vielfalt in der Chefetage zuzulassen. Es zahlt sich aus.