Kommentar

Corona-Ausbruch in Heim: Noch sind viele Fragen offen

Die Pfleger leisten unter enormen Druck viel. Für eine Entlastung müsste auch die Politik sorgen, meint Julian Würzer.

Ein Pfleger hat Symptome einer Grippe. Er will sich krankschreiben lassen, weil er keine Pflegebedürftigen auf seiner Station anstecken will. Als er die Heimleitung darüber informiert, erinnert diese ihn daran, dass er noch in der Probezeit ist. Der Pfleger spricht von Druck, der auf ihn ausgeübt worden ist.

Solche Situationen im Pflegesektor sind kein Einzelfall. Der Gewerkschaft Verdi zufolge bringt die Corona-Pandemie den Personalmangel in der Branche schonungslos und überdeutlich ans Licht. Wie hoch der Preis dafür ist, hat sich bei dem Corona-Ausbruch in einem Lichtenberger Pflegeheim gezeigt: 15 Menschen sind dort bislang wegen einer Corona-Erkrankung gestorben. Pfleger sollen mit Symptomen zur Arbeit erschienen sein.

Der Druck, der auf den Pflegekräften lastet, ist gewaltig. Sie arbeiten in Schichtdiensten und an Wochenenden, tragen große Verantwortung. Im Ernstfall können Menschenleben von ihren Entscheidungen abhängen. Laut einer Dissertation der Universität Mannheim ist die psychische und physische Belastungen in dem Beruf überdurchschnittlich. Doch die Bezahlung der Pflegekräfte ist gering. Zudem haben sie in ihrer Arbeit kaum Aufstiegsmöglichkeiten. Doch das alles darf in Zeiten der Pandemie nicht zu tödlichen Fehlern führen.

Im konkreten Fall in Lichtenberg hat Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) jetzt durchgegriffen: Sie setzte die Leitung des privaten Betreibers ab. Aber noch gibt es viele Fragen: Wie konnte es dazu kommen, dass 15 Menschen durch das Coronavirus getötet wurden? Wann erfuhren die Behörden davon? Wer ist konkret für die mutmaßlichen Mängel bei der Hygiene verantwortlich? Wie genau wurde das Pflegeheim durch die Behörden kontrolliert? Die Öffentlichkeit und die Angehörigen warten auf Antworten.

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