Kommentar

Die Tram ist in Berlin eine unendliche Geschichte

Der Streckenausbau der Tram im Westteil der Stadt stockt beträchtlich. Es gibt zu viele Großprojekte in Berlin, sagte Jens Anker.

Jens Anker

Jens Anker

Berlin. Die Erweiterung des Straßenbahnnetzes in den Westteil der Stadt – das ist auch eine Endlos-Geschichte des Berliner öffentlichen Nahverkehrs. Gefühlt sollte die Tram schon seit 15 Jahren vom Hauptbahnhof in die Turmstraße fahren, doch das Projekt hat es auch nach jahrzehntelanger Planung noch nicht in die Realisierung geschafft. Zuletzt sollte die Strecke in diesem Jahr in Betrieb gehen, jetzt soll Ende des kommenden Jahres mit dem Bau begonnen werden – wenn alles optimal läuft. Also eher nicht.

Es zieht sich durch die aktuelle Legislaturperiode, dass die ehrgeizigen Ziele des rot-rot-grünen Senats in Sachen Verkehrswende nicht so recht an Fahrt aufnehmen wollen. Ambitioniert waren vor allem die Grünen 2016 gestartet, den Umbau des Verkehrs in der Stadt zu organisieren. Doch das funktioniert nur begrenzt. Sei es, dass sich die Planungen für die zehn Radschnellwege in die Länge ziehen oder kaum neue Busspuren eingerichtet werden.

Lesen Sie auch: Das lange Warten in Berlin auf die Tram

So geraten auch die Zeitpläne für den Ausbau des Straßenbahnnetzes immer wieder ins Stocken. Aktuell flammt auch die Diskussion um die Verlängerung zahlreicher U-Bahn-Strecken wieder auf – als ob die Verkehrsverwaltung nicht schon genug ge- und überfordert wäre.

Es rächt sich, dass Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) zu viele Großprojekte auch gegen Widerstände im eigenen Haus gleichzeitig angeschoben hat, keines aber mit Priorität herzhaft angegangen und auch im vorgesehenen Zeitplan umgesetzt hätte. Jetzt kämpft sie an zu vielen Fronten mit planungsrechtlichen Regularien, Mitbestimmungsverfahren der Anwohner und Kapazitätsengpässen in der Baubranche. Zielführender wäre es gewesen, die Großvorhaben nacheinander abzuarbeiten, statt sich ins Chaos zu manövrieren. Wie so oft im Leben, ist weniger manchmal mehr.