Behörden

Das Amt muss digitaler werden

Zweieinhalb Stunden auf einen Termin zu warten, ist zuviel, meint Philipp Siebert.

Verbringe ich meinen freien Vormittag gemütlich mit der Zeitung am Frühstückstisch oder setze ich mich in den Flur des Bürger-, Standes- oder Kfz-Zulassungsamts? Die Wahl dürfte wohl niemandem schwer fallen. Nur haben viele leider keine Wahl. Wer einen neuen Reisepass braucht, muss dafür gern einmal mehrere Stunden aufbringen. Insgesamt 148 Minuten müssen die Deutschen im Schnitt für einen Termin beim Amt einplanen. Das Absurde daran ist, dass davon lediglich 25 Minuten auf die eigentliche Bearbeitung der Sache entfallen. 59 Minuten sind An- und Abfahrt und ganze 64 Minuten sind Wartezeit, bis man dran ist. So hat es der Digitalbranchenverband „Bitkom“ jetzt bekannt gegeben. Im Jahr 2020, in dem die Digitalisierung längst weite Teile unseres Lebens beherrscht, ist diese analoge Zeitverschwendung schier unvorstellbar.

Terminchaos hat Ämter seit Jahren fest im Griff

In Berlin hat das Terminchaos die Ämter schon seit Jahren fest im Griff. Bereits vor Corona musste man oft wochenlang darauf warten, etwa einen neuen Reisepass beantragen zu können. Termine waren oft meist wenige Minuten nach Freischaltung ausgebucht. Und hier gilt es, insgesamt umzudenken. Wieso muss man überhaupt auf das Amt gehen, wenn der Personalausweis abgelaufen ist? Das Datum ist doch dort digital vermerkt. Kurz vor dem Ablauf könnte also ein automatisierter Vorgang ausgelöst und der neue Ausweis direkt verschickt werden.

Die Corona-Pandemie hat sehr viele schreckliche Folgen. Sie hat aber auch ein Gutes. Denn sie zwingt uns mehr denn je, über solche Dinge nachzudenken. Denn plötzlich wurden aus Entwicklungen, die irgendwann mal nötig werden, Entwicklungen, die jetzt sofort nötig sind. Auch viele Verwaltungen haben reagiert. Corona zwingt uns auf einen Weg, der längst überfällig war. Die Verantwortlichen in Land und Bund sollten das nicht vergessen, wenn diese schreckliche Krise vorbei ist.