Kommentar

Das Taxi-Gewerbe steht am Scheideweg

Der Betriebsstart des BER bedeutet für die Taxi-Branche eine große Zäsur, sagt Christian Latz.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Nur 300 Berliner Taxis erhalten zum Betriebsstart des neuen Hauptstadtairports BER die Erlaubnis, dort auf Fluggäste warten zu dürfen. So sieht es die Vereinbarung des Senats mit dem Landkreis Dahme-Spreewald vor. Bislang haben 1500 bis 2000 Fahrzeuge, so die Berliner Taxi-Innung, die Reisenden vom City-Airport in Tegel zu ihren Zielen gebracht. Auch wenn die Zahl der Taxis, die von Berlin aus den BER ansteuern, künftig noch auf 550 steigen könnte, die Diskrepanz zwischen der Zahl der Droschkenfahrer, die am neuen Flughafen arbeiten können, und jenen, die bislang ihr Geld am Flughafen Tegel verdient haben, ist immens.

Dabei auf Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) einzuschlagen, führt allerdings ins Leere. Denn letztlich ist Berlin abhängig vom Landkreis Dahme-Spree. Dieser allein kann entscheiden, ob Taxis aus Berlin die Möglichkeit bekommen, am BER Fahrgäste aufzunehmen und nicht nach dem Absetzen mit leerem Auto zurückzufahren.

Die Probleme der Taxi-Branche in Berlin lassen sich durch mehr Laderechte am BER allein ohnehin nicht lösen. Der Hauptstadtflughafen wird viel besser über den ÖPNV angebunden sein, als dies in Tegel der Fall war. Entsprechend weniger Taxis werden dort dauerhaft gebraucht. Erst recht, da aktuell vollkommen unklar ist, ob und wann die Fluggastzahlen in Berlin wieder die Höchststände der vergangenen Jahre erreichen werden. Genauso stark getroffen hat die Corona-Pandemie Messegeschäft und Nachtleben. Ganz zu schweigen von der Konkurrenz, die durch neue Fahrdienste wie Uber droht. Die für viele Fahrer bittere Wahrheit: Auf Berlins Taximarkt gibt es schon lange zu viele Fahrzeuge. Viele hätten die veränderten Zeiten wohl ohnehin nicht überlebt. Nun wird es durch die Krise noch mehr Fahrer treffen.

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