Kommentar

Bloß kein Flickenteppich in Berlins Gastronomie

Heizpilze, Alkholverbot: Corona-Regeln müssen für alle gleichermaßen gelten, schreibt Jens Anker.

Foto: Reto Klar

Der Gastro-Gipfel von Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) kam gerade zur rechten Zeit. Nachdem sich die Runde aus Vertretern der Gastronomie, der Wirtschaft und der Bezirke am Freitag auf praktische Hilfen für die arg gebeutelte Branche verständigt hatte, purzelten am Sonnabend die Temperaturen, und es setzte Dauerregen ein.

So ist es immerhin beruhigend, dass den Gastronomen in der Corona-Krise die Ausweitung der Außenflächen bis zum Frühling erlaubt bleibt und sie auch Wärmequellen einsetzen dürfen, um die Gäste im Freien nicht frieren zu lassen. So können Kneipen und Restaurants jedenfalls teilweise die durch die Abstandsregeln verkleinerte Ladenfläche ausgleichen.

Aber trotz Soforthilfen und den nun erfolgten Hilfestellungen, ist die Gastronomie noch lange nicht über dem Berg. Viele Menschen zögern noch damit, auswärts zu essen und zu trinken und bleiben im Zweifel doch lieber zu Hause. Und ob sie trotz beheizter Außenflächen sich bei Wind und Wetter draußen ein Schnitzel oder die Lieblingspasta bestellen werden, ist längst noch nicht ausgemacht. Dazu kommt der rasante Einbruch beim Tourismus, der die Zahl der Gäste weiter stark reduziert.

Umso wünschenswerter wäre es, wenn sich alle Beteiligten auf einheitliche Regeln verständigen könnten. Ein kiezgenaues Alkoholverbot, wie es München und Hamburg beschlossen haben, wird nicht nur vom Regierenden Bürgermeister skeptisch gesehen. Dann wird eben woanders weitergemacht. Das Gleiche gilt für die Heizpilz-Diskussion. Sie in einem Bezirk zu erlauben und schon auf der anderen Straßenseite zu verbieten, weil dort ein anderer Bezirk zuständig ist, trägt nicht zur Akzeptanz der Corona-Maßnahmen bei. Wenn selbst der Präsident des Bundesumweltamtes in der Pandemie die Heizpilze einen Winter lang für akzeptabel hält, sollte Berlin sich dem nicht versperren.

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