Kommentar

Daimler hat den Trend zum E-Auto verschlafen

Die Rechnung bezahlen nun die Arbeiter von Daimler – nicht die Chefs, analysiert Joachim Fahrun.

Es ist schon hart, wenn politische Entscheidungen und gesellschaftliche Trends in die Realität durchschlagen und die Leben vieler Menschen betreffen. Das kennen die Braunkohle-Kumpel in der Lausitz, deren Produkt in Zeiten des Kohleausstiegs niemand mehr will. Die Arbeiter des Daimler-Konzerns machen gerade die Erfahrung, dass die Verkehrswende und der eingeleitete Abschied von fossilen Brennstoffen das Aus für viele lange als sehr sicher geltende Arbeitsplätze bedeuten kann.

Der Zorn der Belegschaft im Werk Marienfelde, wo 2500 Menschen Verbrennungsmotoren und Getriebe zusammenbauen, richtet sich weniger gegen grüne Avantgardisten der Energie- und Verkehrswende. Verärgert sind sie auf ihr eigenes Management, das den Megatrend Elektroauto über Jahre verschlafen hat, während andere sich anschicken, die Zukunft zu dominieren. Die üppigen Gewinne aus den großen Spritschluckern und CO2-Schleudern haben Daimler satt gemacht. Und es ist der Bundesregierung vorzuwerfen, das sie nicht längst klare Rahmenbedingungen und Zeitpläne für den Umstieg auf alternative Antriebe vorgegeben hat.

Die Rechnung zahlen die Arbeiter

Andere sind da weiter. Auf großen Märkten wie China oder weiten Teilen der USA, aber auch in Skandinavien oder Frankreich sollen schon in wenigen Jahren keine Autos mit Verbrennungsmotoren mehr verkauft werden dürfen. Das ist nicht erst seit gestern bekannt. Vollkommen unverständlich ist es, warum Daimler und der Rest der deutschen Autoindustrie ihre prall gefüllten Kassen nicht schon lange dafür einsetzen, mit neuen Produkten vorne dabei zu sein bei der Mobilität der Zukunft. Die Rechnung zahlen die Arbeiter. Ihre Verhandlungsbasis hat sich in der Corona-Krise, die auch den Absatz herkömmlicher Autos einbrechen ließ, noch verschlechtert. Aber vielleicht kommen sie ja in der neuen Elektroauto-Fabrik von Tesla unter.