Kommentar

Der Kampf gegen die Spielsucht muss weitergehen

Berlins Kampf gegen Spielhallen ist erfolgreich. Nun müssen die Wettbüros weichen, fordert Jens Anker.

Foto: dpa/Reto Klar/BM

Berlin. Genau zehn Jahre wird es am Ende gedauert haben, bevor sich der Kampf gegen Spielhallen in Berlin gelohnt hat. 2011 verabschiedete der Senat das Gesetz gegen die unkontrolliert, fast an jeder Straßenecke neu entstandenen Spielhallen mit ihren hässlichen, grell bunt verklebten Schaufenstern.

Im kommenden Jahr nun wird es nach einer fünfjährigen Übergangsfrist, zahlreichen Klagen und einem komplizierten Auswahlverfahren soweit sein. Vier von fünf Spielhallen werden dann aus dem Straßenbild verschwunden sein. Ein Erfolg für die Stadt.

Spielhallen verschandeln nicht nur das Straßenbild und verdrängen den Einzelhandel aus den einzelnen Kiezen, sie fördern auch Spielsucht. Vor allem junge, allein stehende Männer sind nach Untersuchungen von Experten betroffen und können eine Neigung entwickeln, ihr Hab und Gut in den blinkenden und lärmenden Apparaten zu versenken. Eine halbe Million Euro sollen pro Tag allein in Berlin derart trist verspielt werden.

Aber schon steht das nächste Problem vor der Tür. Im Schatten der Spielhallen hat sich der Sportwettmarkt rasant entwickelt. Viele Wettbüros sind genau da entstanden, wo Spielhallen in den letzten Jahren schlossen. Ihr Erscheinungsbild ist nur geringfügig weniger schrill als das der Spielhallen – aber mindestens genauso gefährlich. Denn hier spielt man nicht mit drei drehenden Scheiben in einem an der Wand hängenden Automaten, sondern setzt auf Sportereignisse, die mit ihren Stars und der jubelnden Menge – jedenfalls in Vor-Corona-Zeiten – die Menschen viel leichter emotionalisieren und in ihren Bann ziehen können.

Berlin plant, künftig ähnlich scharf dagegen vorzugehen wie gegen Spielhallen. Hoffentlich dauert es dieses Mal nicht erneut zehn Jahre, bevor die Politik ihr Ziel erreichen wird.

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