Kommentar

Der Kampf gegen kriminelle Clans ist ein Marathonlauf

Das Konzept der permanenten Nadelstiche gegen Clans in Berlin wirkt. Jetzt darf man nicht nachlassen, meint Jens Anker.

Jens Anker

Jens Anker

Foto: Reto Klar

Berlin. Der große Schlag mag nicht dabei gewesen sein, aber die Bilanz des Kampfes gegen Clankriminalität in Berlin nimmt deutlich Formen an. Nachdem die Behörden Jahre, wohl sogar Jahrzehnte zugeschaut haben, wie sich in der Stadt eine Parallelgesellschaft der Organisierten Kriminalität mit Familienstrukturen entwickelt hat, geht es nun deutlich voran. Dafür sprechen die 700 kontrollierten Restaurants, Bars, Glücksspielstätten und sonstigen Geschäfte genauso wie die 123 beschlagnahmten – hochwertigen – Autos und fast 1000 sichergestellten Drogenportionen.

Es ist das Konzept der permanenten Nadelstiche, das die Clans in der Stadt spüren lässt, dass es ihnen mit ihrem Treiben nicht mehr leicht gemacht wird. Noch gibt es zwar keine Anzeichen dafür, dass deren Strukturen sichtbar zerstört werden konnten, aber die Szene ist nervös und genervt. Nach dem Nackenschlag vor zwei Jahren, als das Landgericht 77 Immobilien beschlagnahmte, haben die Behörden den Druck aufrechterhalten und auch vermeintlich unbedeutende Taten notorisch verfolgt. Das ist richtig so.

Das Vorgehen von Polizei und Staatsanwaltschaft erinnert dabei an den Kampf gegen Hooligans vor 20 Jahren, als der damalige Innensenator Ehrhart Körting (SPD) verkündete: Die Zeit der Raumdeckung ist vorbei, jetzt gilt Manndeckung! Die Strategie hatte Erfolg und könnte auch dieses Mal funktionieren. Dafür darf aber der Verfolgungsdruck gegen die Clankriminalität weiterhin nicht nachlassen. Nur so lassen sich die hartnäckigen Strukturen langfristig aufbrechen. Die Erfolgsbilanz des vergangenen Jahres sollte Polizei und Staatsanwaltschaft daher Motivation sein, es in diesem Jahr mindestens genauso zu machen, denn der Kampf gegen Clanstrukturen ist kein Sprint, sondern ein Marathonlauf.

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