Leitartikel

Corona-Regeln gelockert: Ein vorsichtiger Schritt

Bund und Länder verlängern die Kontaktsperre bis 3. Mai – und lockern die Regeln ein bisschen. Das ist richtig, sagt Christine Richter.

Die Bekämpfung der Pandemie kann nur erfolgreich sein, wenn alle weiterhin geduldig sind – und vorsichtig, meint Christine Richter.

Die Bekämpfung der Pandemie kann nur erfolgreich sein, wenn alle weiterhin geduldig sind – und vorsichtig, meint Christine Richter.

Berlin. Es ist ein erster, ein vorsichtiger Schritt: Bund und Länder haben sich am Mittwoch darauf verständigt, die strengen Regeln zur Bekämpfung der Corona-Pandemie ein bisschen zu lockern. Aber eben nur ein bisschen.

„Es ist ein zerbrechlicher Zwischenerfolg“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Mittwoch nach den Beratungen mit den 16 Ministerpräsidenten zur Entwicklung der Corona-Infektionen in Deutschland. Denn in den vergangenen Wochen, sogar über Ostern, hat es in Deutschland gut geklappt.

Die Kontaktsperren werden weitestgehend beachtet, die Krankenhäuser konnten in dieser Zeit ihre Kapazität an Intensivbetten mit Beatmungsgeräten ausbauen, das Gesundheitssystem in Deutschland ist derzeit stabil und anders als in Italien nicht kollabiert, die Zahl der Neuinfizierten in Deutschland sinkt inzwischen sogar – und auch die Gesamtzahl der Infektionen verdoppelt sich inzwischen erst nach 24 Tagen, nicht mehr nach zwei oder drei Tagen.

Coronavirus: Weiterhin kein Medikament und kein Impfstoff

Aber groß ist die Befürchtung von Bundeskanzlerin Merkel und den Länderchefs, dass man, wenn man jetzt zu schnell vorprescht, in wenigen Wochen die Maßnahmen erneut verschärfen muss, dass man riskiert, dass sich das Coronavirus doch wieder rasch in Deutschland ausbreitet. Denn es besteht immer noch die Gefahr, dass viele Menschen sterben, das Gesundheitssystem doch noch zusammenbricht. Es gibt, darauf wiesen Merkel und die Ministerpräsidenten am Mittwoch mehrfach hin, noch kein Medikament, es gibt noch keinen Impfstoff.

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Angesichts der Entwicklung der Infektionszahlen in Deutschland ist es aber auch richtig, die Kontaktsperre mit all den strengen Vorschriften und all den Geschäftsschließungen jetzt etwas aufzubrechen. Und das Leben für die Menschen wieder etwas zu erleichtern. Und vor allem der Wirtschaft wieder eine Perspektive zu geben. Das geht sicher nur Schritt für Schritt, aber es muss jetzt damit begonnen werden.

So können beispielsweise schon ab nächster Woche wieder die Museen und Zoos öffnen – wenn dort die Abstandsregeln, aber auch die Hygiene- und Desinfektionsvorschriften eingehalten werden. Richtig ist es auch, wieder mehr Geschäftsleben zuzulassen. Denn das hat ja überraschend gut funktioniert: In den Supermärkten, in den Bäckereien oder auch im Bioladen und im „Späti“ halten die Menschen Abstand, warten auf der Straße geduldig, bis sie den Laden betreten dürfen. Warum soll das nicht auch bei anderen Einzelhandelsgeschäften funktionieren? Es ist richtig, dass nun Läden bis zu einer Größe von 800 Quadratmetern öffnen dürfen – mit entsprechenden Hygienekonzepten.

Eltern und Kinder müssen noch weiter zu Hause durchhalten

„Behutsam vorgehen“, so nannte es Merkel, wollen die Länder auch bei den Schulen. Bis zum 3. Mai bleiben diese erst einmal geschlossen, dann muss die Schule neu organisiert werden. Mit Schutzmaßnahmen, mit Abstandsregeln, mit einem Unterrichtskonzept über den ganzen Tag, will man kleinere Klassen ermöglichen. Das braucht seine Zeit. Das heißt aber auch: Eltern und Kinder müssen noch weiter zu Hause durchhalten, für sie sind diese Wochen wirklich nicht einfach.

Für die Gastronomen, für die Hoteliers, für die Eventveranstalter, für all die Künstler und viele andere Unternehmer hatten die Politiker dagegen keine guten Nachrichten. Großveranstaltungen bis zum 31. August sind verboten, Restaurants, Cafés und Clubs bleiben geschlossen. Hier ist die Not groß, hier geht es um die wirtschaftliche Existenz.

Merkel und die Ministerpräsidenten machten am Mittwochabend deutlich, dass sie um all diese Herausforderungen wissen, dass man bei der Bekämpfung der Pandemie aber nur erfolgreich sein kann, wenn alle weiterhin geduldig sind – und vorsichtig.

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