Kommentar

Corona: Benachteiligte Schüler brauchen Hilfe

Schüler aus sozialschwachen oder bildungsfernen Familien haben es jetzt besonders schwer, meint Jens Anker.

Jens Anker

Jens Anker

Foto: Reto Klar

Berlin. Ausgerechnet diejenigen Schüler, die es ohnehin schon schwerer als andere haben, sind doppelt und dreifach von der derzeitigen Krise betroffen. Sie kommen aus schwierigen oder bildungsfernen Familien und müssen jetzt alleine sehen, wie sie – oft in beengten Verhältnissen – mit der Schließung aller Bildungseinrichtungen zurechtkommen. Nicht nur der reguläre Schulbetrieb ruht bis mindestens nach den Osterferien, sondern auch all jene zusätzlichen Angebote, die ihnen den Weg durch die Schullaufbahn ebnen sollen, finden derzeit nicht statt.

Dass die Schulverwaltung nun innerhalb von zwei Wochen ein maßgeschneidertes Förderpaket für diese mehrfach benachteiligten Kinder und Jugendlichen auf den Weg gebracht hat, ist löblich. Experten gehen davon aus, dass sich die ohnehin bestehenden sozialen Bildungsgräben in der Zeit der Schulschließung noch vertiefen werden. Hier einzugreifen, ist nicht nur sinnvoll, sondern angezeigt, um nicht langfristigen Schaden und höhere Schulabbrecherquoten in Kauf zu nehmen.

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Wie erfolgreich diese Lernbrücken sein werden, weiß derzeit niemand. Sie müssen sich erst in der Praxis beweisen, denn viele Familien sind für die Ämter in der aktuellen Situation schwer bis gar nicht zu erreichen. Ohne offene Bildungs- und Sozialeinrichtungen fällt der oft einzige Kontakt weg. Hier wird viel Hartnäckigkeit und Phantasie nötig sein, um diese Lücken überbrücken zu können.

Bei allem Lob für das digitale Lernen, das von heute auf morgen in den meisten Fällen besser klappt als befürchtet, zeigt sich aber auch: Das Internet kann den direkten Kontakt, die schnelle Zwischenfrage oder das Reden mit Mitschülern niemals vollständig ersetzen. Umso wünschenswerter wäre es, möglichst schnell in den regulären Schulbetrieb zurückzukehren.