Meinung

Beim Wohnungsbau kann Berlin von anderen Metropolen lernen

Erheblicher Wohnungsneubau ist in Berlin unverzichtbar, meint Isabell Jürgens.

Schlechte Nachrichten für alle, die in der Hauptstadt eine Bleibe suchen: Sollte die Zahl der jährlich fertiggestellten Wohnungen auf dem aktuellen Niveau von 16.700 Wohnungen verharren, wäre das bereits heute bestehende Angebotsdefizit frühestens in achteinhalb Jahren abgearbeitet. Und das auch nur, wenn die Bevölkerungszahl auf dem derzeitigen Niveau stagniert.

Wenn sich auch Spekulationen, wie sich die Corona-Krise auf das Baugeschehen auswirken wird, verbieten, merkte Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) an, dass wohl zumindest mit einer „Delle“ gerechnet werden müsse. Das ist schlimm, zumal Experten noch eine weitere Gefahr für den Neubau sehen. Jürgen Allerkamp, Chef der Investitionsbank Berlin (IBB), äußerte die Sorge, dass der Mietendeckel Investoren vom Bauen abhalte. Mit dem Gesetz hat der Senat die Mieten im Februar für fünf Jahre eingefroren. Zur Bewältigung des zunehmenden Nachfrageüberhangs ist jedoch weiterhin erheblicher Wohnungsneubau unverzichtbar.

Wie es deutlich besser geht, das sollte sich Berlin unbedingt von anderen Metropolen abschauen. München und Hamburg sind ebenfalls mit steigenden Bau- und Bodenpreisen sowie Kapazitätsengpässen am Bau konfrontiert – Faktoren, auf die Berlins Bausenatorin gerne verweist. Doch während Berlin je 1000 Einwohner nur 3,9 Wohnungen fertigstellt, sind es in München 5,8 und in Hamburg 5,3.

Ein deutlich investorenfreundlicheres Klima und bessere Förderprogramme gerade für die dringend benötigten preiswerten Wohnungen müssen dafür sorgen, dass die Bauunternehmen an Berlin nicht vorbeiziehen. Allein mit Enteignungsdebatten und Reglementierungen wie dem Mietendeckel jedenfalls wird es Berlin nicht gelingen, der weiterhin angespannten Lage am Wohnungsmarkt in der Hauptstadt zu begegnen.