Kommentar

Ein Lob für die Berliner Ämter - wer hätte das gedacht!

Bei einer Untersuchung der digitalen Dienstleistungen liegt Berlin bundesweit an der Spitze. Ein überraschendes Lob, meint Jens Anker.

Jens Anker über die e Digitalisierung der Berliner Verwaltung.

Jens Anker über die e Digitalisierung der Berliner Verwaltung.

Foto: Reto Klar

Berlin. Wer hätte das gedacht! Entgegen der allgemeinen Meckerei über die Berliner Verwaltung und den dort regierenden Amtsschimmel liegt Berlin vorn. Bei einer Untersuchung des digitalen Angebots der 100 größten Städte für die gängigsten Dienstleistungen liegt Berlin bundesweit an der Spitze. 72 von 100 möglichen Punkten reichten aus, um alle anderen Städte von Hamburg bis Zwickau und von Köln bis Bautzen hinter sich zu lassen.

Dabei steht die Digitalisierung der Verwaltung erst am Anfang. Behördenstrukturen sind schwer mit den neuen Möglichkeiten der Online-Kommunikation zu vereinbaren und die Sicherheitsvorgaben für manche hoheitliche Aufgabe können schwer allein digital erledigt werden.

Aber immerhin, gute Beispiele gibt es bereits zur Genüge. Wenn sich ein Anwohnerparkausweis bequem am heimischen PC bestellen lässt, warum geht das nicht mit anderen Dienstleistungen, wie beispielsweise dem Antrag eines Wohnberechtigungsscheins? Der digitale Wandel bietet hier viele Möglichkeiten, die Arbeit in den Verwaltungen zu erleichtern. Je mehr Dienstleistungen online erledigt werden können, desto mehr Zeit sparen Mitarbeiter ein, sich schwierigen Fällen oder anderen Dingen zu widmen.

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Berlin plant zwar derzeit eine umfangreiche Verwaltungsreform, in der auch Fragen des Bürgerservice eine Rolle spielen, aber der Fokus liegt leider immer noch viel zu sehr auf den Abläufen aus Behördensicht. Grundsätzlich sollten alle Vorgänge aus Sicht der Nutzer und Antragsteller betrachtet werden, denn Verwaltung ist bekanntlich kein Selbstzweck, sondern Dienst am Bürger.

Es ist also schön, dass Berlin dieses überraschende Lob für seinen Bürgerservice erhalten hat. Es sollte aber nicht zur Genügsamkeit verleiten, sondern Ansporn sein, den Spitzenplatz auch künftig zu verteidigen.