Kommentar

Mit zwei Strategien gegen Drogen

Eine Hotline für Spritzen löst nicht das Drogenproblem in Berlin, sagt Philipp Siebert.

Philipp Siebert

Philipp Siebert

Foto: dpa/Maurizio Gambarini

Berlin. Drogensüchtige sitzen in Berliner Parks oder Bahnhöfen, rauchen dort Crack oder spritzen sich Heroin. Und das mitten in der Öffentlichkeit. Dass vor allem Familien etwa den U-Bahnhof Schönleinstraße meiden, kann man da verstehen. Aber der öffentliche Drogenkonsum und seine unschönen Begleiterscheinungen sickern auch sonst immer tiefer in den Alltag. Dass benutzte Spritzen in Hauseingängen, auf Grünflächen oder Spielplätzen liegen, ist in manchen Teilen der Innenstadt eher Regel als Ausnahme. Und das ist gefährlich – vor allem für Kinder. Zuletzt trat eine Vierjährige auf einem Kreuzberger Spielplatz in eben solch eine Spritze. Für die Eltern ging danach das Bangen los, ob sich ihr Kind vielleicht mit HIV angesteckt haben könnte.

Die Situation ist in Teilen von Neukölln, Kreuzberg und Mitte dramatisch geworden. In Friedrichshain-Kreuzberg fordern die Grünen nun eine Hotline, über die Spritzenfunde gemeldet werden können. Im Prinzip ist das eine gute Idee – zumindest beim aktuellen Zustand. Aber wenn jemand anruft, muss auch etwas geschehen. Die Spritzen müssen weggeräumt werden. Allerdings werden so nur die Symptome bekämpft. Ziel muss es sein, gegen die Ursachen vorzugehen.

Es gibt zwei vordringliche Strategien: Erstens muss den Süchtigen mit mehr Angeboten geholfen werden. Es geht hier um schwerkranke Menschen, um die sich Sozialarbeiter und Mediziner kümmern müssen. Der Senat will mit mehr Geld und Personal nun endlich handeln. Zudem soll es mehr Drogenkonsumräume geben, um die Sucht von der Straße wegzubekommen.

Gleichzeitig muss es aber auch weiterhin einen harten Kampf gegen die Drogen geben. Gegen harte wie weiche. Die politische Debatte, ob weiche Drogen im Auftrag des Staates verkauft und legalisiert werden sollen, ist da nicht hilfreich.