Kommentar

Warum es am Ufer der Spree so viele Begehrlichkeiten gibt

Es ist höchste Zeit, dass Berlin seinen attraktivsten Wasser-Grundstücken mehr Aufmerksamkeit widmet, sagt Joachim Fahrun.

Joachim Fahrun

Joachim Fahrun

Foto: pa/Reto Klar

Berlin. Jede Stadt, durch die ein ordentlicher Fluss strömt, kann sich glücklich schätzen. Wasserlagen sind ungemein attraktiv – und zwar für alle: Beinbaumeln am bröckeligen Ufer im angesagten Club gefällt ebenso wie die Aussicht über die glitzernde Fläche aus einem Luxusapartment oder der Pausensekt am Geländer eines mehr oder weniger alternativen Konzertsaales.

Kein Wunder, dass es beim Ufer der Spree so viele Begehrlichkeiten gibt. Die Konflikte toben seit Jahren zwischen Mitte und Lichtenberg, künftig werden sie sich weiter stromaufwärts ziehen bis nach Oberschöneweide und Köpenick. Zwölf Jahre ist es her, dass ein Bürgerbegehren mit dem Titel „Mediaspree versenken“ erfolgreich war. Seitdem hat zum Glück ein Umdenken eingesetzt im Umgang mit den Uferflächen.

Wie eine gesichtslose Investoren-Architektur mit Hotels, Bürohäusern und teuren Eigentumswohnungen aussieht, lässt sich rund um die Mercedes-Benz Arena und im Neubaugebiet zum Ostbahnhof hin besichtigen. Ich kenne niemanden, der diese Gestaltung gelungen findet. Und jetzt wird auch noch ein Hotelriegel auf dem früheren Todesstreifen direkt am Fluss hochgezogen. Planung von gestern, städtebaulich eine vertane Chance.

Es ist höchste Zeit, dass Berlin seinen attraktivsten Wasser-Grundstücken mehr Aufmerksamkeit widmet, wie es eine von Ex-Kulturstaatssekretär Tim Renner organisierte Konferenz fordert. Die Räume müssen für die Allgemeinheit erhalten und geöffnet werden, und zwar nicht nur für hippe Clubgänger. Wie ein solcher Prozess aussehen kann, zeigt das RAW-Gelände, wo dank eines aufgeschlossenen Investors Kultur, Party und Business zusammenfinden. Nur mit solchen Modellen kann Berlin seinen weltweiten Ruf als bunte, diverse Stadt auch in Zeiten des Booms erhalten. Wo sonst als am Fluss sollte die Stadt diesen Weg weitergehen?