Bildung

Gewalt an Schulen: Es muss mehr Transparenz geben

Es gibt keine aktuellen Zahlen, wie viele Gewaltvorfälle es an Schulen gab. Transparenz ist etwas anderes, schreibt Susanne Leinemann.

Susanne Leinemann

Susanne Leinemann

Berlin. Wieder ein Lehrstück aus Absurdistan: Mehr als 4800 Polizeieinsätze gab es im letzten Jahr in der Hauptstadt, bei denen irgendwie das Wort „Schule“ fiel. Irgendwie? So richtig weiß angeblich keiner, ob die Einsätze direkt mit einer Schule zu tun hatten – denn im Polizeicomputer, der die Dinge erfasst, geht offenbar alles wild durcheinander: Ob ein Einsatz nach dem Raub des Goldnestes an der Fuchsberg-Grundschule, den es 2019 tatsächlich gab, ein Taschendiebstahl am S-Bahnhof BaumSCHULENweg oder womöglich ein Anruf von einer gewissen Frau Schule, die sich über den Lärm der Nachbarn eins drüber beschwert. Alles ein großer Mischmasch.

Und auch die Zahl der Gewaltvorfälle an Schulen, die 2019 zu einem Polizeieinsatz führten, kann man laut Polizei nicht getrennt nennen, denn das sei nur „nach händischer Auszählung“ möglich. Nur zur Erinnerung: Wir befinden uns im Jahr 2020, händisch ausgezählt werden höchstens Gummibärchenpackungen auf dem Schulhof, wenn die Fruchtgummis unter Kumpels verteilt werden.

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Gewaltvorfälle an Schulen: Seit 2016/17 keine offiziellen Zahlen mehr

Es drängt sich der Verdacht auf, dass von den zuständigen Verwaltungen gedeckelt und abgelenkt wird. Seit 2016/17 hat die Öffentlichkeit keine offiziellen Zahlen mehr zu Gewaltvorfällen an Berliner Schulen erhalten. Weder die Polizei noch die Senatsbildungsverwaltung liefern seitdem „belastbare Daten“ – entweder, weil offenbar das System der Erfassung umgestellt wurde oder, weil man die gemeldeten Daten erstmal „evaluieren“ müsse, wie es von der Senatsverwaltung für Bildung heißt.

Im Hintergrund geht aber alles weiter, Gewaltvorfälle werden von der Schulverwaltung aufgenommen, es wird dem nachgegangen. Nur nach außen dringt nicht viel. Selbst Berliner Abgeordnete kommen kaum an verlässliche Zahlen ran.

Transparenz ist etwas anderes. Eltern wollen, dass ihre Kinder in der Schule sicher sind. Wenn Zahlen vorenthalten werden, wächst die Unsicherheit.